Predigt am 5. Fastensonntag

am 29. März 2020

Evangelium: Johannes 11,1-45

Lazarus, ein Freund von Jesus, ist gestorben. Jesus erweckt ihn zum Leben. So erzählt das Evangelium. Wie ist das zu verstehen? Die Christen der ersten Jahrhunderte kennen die Lehre vom vierfachen Schriftsinn. Wenn wir einen biblischen Text verstehen wollen, können wir vier Fragen stellen. Die erste: Was ist damals tatsächlich geschehen? Lazarus ist tot. Seit vier Tagen liegt er im Grab. Hat Jesus ihn wirklich auferweckt vom Tod zum Leben? So steht es zumindest im Johannesevangelium.

Das Evangelium nach Johannes ist erst sehr spät niedergeschrieben worden, um das Jahr 100 n. Chr. Kann das, was da drin steht, zuverlässig sein? Ist das wirklich so passiert? Die Historiker setzen hier in großes Fragezeichen. Doch für die Menschen in der Zeit von Jesus war ganz klar: Wenn einer intensiv mit Gott verbunden ist, dann kann er Wunder wirken. Er kann sogar Tote auferwecken. Propheten haben das getan. Auch Jesus trauen wir das zu. Sagen die Menschen damals. Die zweite Frage: Was sagt uns dieser Bibeltext über Gott, über Jesus und über unseren Glauben? Jesus ist am Kreuz gestorben. Schon drei Tage danach erzählen seine Jünger: Wir haben ihn gesehen. Er lebt. Wir Christen glauben: Gott hat Jesus auferweckt von den Toten. Jesus ist der Christus, der Messias, der Sohn Gottes. Er hat den Tod besiegt. Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und am mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben“ Damit sind wir schon bei der dritten Frage: Was sollen wir tun? Wir dürfen darauf vertrauen: Gott hat Jesus auferweckt von den Toten. Dieses neue Leben schenkt er allen, die an ihn glauben. Der Tod ist nicht das Ende. Gott schenkt Leben über den Tod hinaus. Gott schenkt Leben nicht nur, wenn dieses irdische Leben zu Ende geht, sondern schon vorher. Gott schenkt Leben jeden Tag. Zwei streiten miteinander. Es wird heftiger. Böse Worte fallen. Verletzende Worte. Und dann sagt einer diesen Satz, diesen finalen Satz: „Du bist für mich gestorben.“ Funkstille. Totenstille. Die zwei gehen auseinander. Sie gehen einander ab sofort aus dem Weg. Was sie verbunden hat, ist tot. Begraben. Muss das so bleiben? Irgendwann fängt einer an, nachzudenken. Was geschehen ist, es tut mir leid. Wäre es nicht möglich, dass wir wieder zusammenkommen? Wie kann das gehen? Vielleicht kann ein dritter helfen, vermitteln. Vielleicht kommt eine gute Gelegenheit, wo einer den ersten Schritt tun kann auf den anderen zu? Ein Anruf. Eine Nachricht. „Kann ich etwas für dich tun?“ Vielleicht hilft ja auch der Glaube? Gott kann Menschen zusammen führen. Er kann neues Leben schenken. Das glauben wir. Es bleibt die vierte Frage, die letzte: Was dürfen wir hoffen? Was wird sein am Ende unseres Lebens? Am Ende der Welt und der Geschichte? Die Frage ist schon beantwortet. Jesus hat sie beantwortet. Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“.

Pfr. Dr. Bernhard Lackner