urlaub

Predigt am 7. Sonntag der Osterzeit

am 24.5.2020

".. und Frieden auf Erden allen Menschen mit gutem Willen"

Lesung: Apg 1, 12-14

Gibt es eigentlich noch etwas anderes als Corona? Ja. Vor 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Die Welt wurde von der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten befreit. Das Leben konnte neu beginnen: ein Leben in Frieden. Die älteren von uns kennen Krieg und Nachkriegszeit aus eigener Erfahrung. Soldaten haben Schreckliches erlebt und getan. Viele wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Frauen und Kinder haben unter Hunger und Not gelitten. Meine Mutter hat mir erzählt: In den letzten Kriegstagen wurde unser Dorf von amerikanischen Tieffliegern angegriffen. Die schossen auf alles, was sich bewegte. Um Haaresbreite sind meine Mutter und meine älteste Schwester denen entkommen. .

Was Krieg bedeutet, wird mir klar, wenn ich vor einem Kriegerdenkmal stehe. Ich lese die Namen. Ich lese die Jahreszahlen. Viele der Gefallenen waren nicht einmal 20 Jahre alt. Sie hatten ihr ganzes Leben noch vor sich. Sie sagen uns: Krieg darf es nie mehr geben. Wir müssen den Frieden bewahren. Wie geht das? Im Großen und im Kleinen? In der Lesung aus der Apostelgeschichte finden wir Hinweise. Nach der Himmelfahrt des Herrn kehren die Apostel nach Jerusalem zurück. Sie versammeln sich. Sie bleiben beieinander. Sie suchen die Gemeinschaft. Gemeinschaft dient dem Frieden. Wenn Menschen zueinander halten. Wenn einer Anteil nimmt am Los des anderen. Wenn Völker sich zusammenschließen. Umgekehrt entstehen Konflikte, wenn Menschen und Völker sich voneinander abgrenzen. Wenn einer nichts vom anderen wissen will. Abgrenzung erzeugt Missverständnisse, Spannungen, Konflikte. Gemeinschaft bringt Frieden. Deshalb ist es gut, dass es die Vereinten Nationen gibt und die Europäische Union. Es ist gut, wenn Menschen und Völker aufeinander zugehen. Wenn sie einander besser kennen und verstehen lernen. Wir Christen haben da eine besondere Verantwortung. Denn uns gibt es überall auf der Welt. Der Glaube verbindet uns. Das Zweite Vatikanische Konzil fordert uns auf, mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten. Die Apostel verharren einmütig im Gebet. Wir Menschen können den Frieden aus eigener Kraft nicht schaffen. Das kann nur Gott. Er ist die Quelle des Friedens. Wer sich im Gebet an ihn wendet, kann aus dieser Quelle schöpfen. Gott hat die Welt erschaffen. Er lässt seine Sonne aufgehen über Guten und Bösen. Jesus sagt uns: Wir sollen keine Gewalt anwenden, dem Bruder vergeben und die Feinde lieben. Zusammen mit den Aposteln beten die Frauen und Maria, die Mutter des Herrn. Wenn der Friede eine Chance haben soll, dann müssen die Frauen dabei sein. Dann muss Maria dabei sein, die Mutter des Herrn. Die Mütter sind immer bereit, zu verstehen, zu vergeben, zu helfen. Ihnen verdanken wir das Leben. Wenn man vor einem Krieg die Mütter fragen würde: Sollen wir eure Söhne und Töchter in den Krieg schicken? Was würden sie antworten? Seit 75 Jahren leben wir in Frieden und Wohlstand. Dafür sind wir dankbar. Gemeinschaft fördert den Frieden. Im Gebet verbinden wir uns mit Gott. Er ist die Quelle des Friedens..

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner