Matthäus - 21. September

Über das Leben des Apostels Matthäus ist wenig bekannt. Er war Zöllner in Kapharnaum am See Genesareth, wie in den ersten drei (synoptischen) Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas berichtet wird. Zöllner/Steuereintreiber für die römische Besatzungsmacht waren von den Juden verachtet. Dennoch, oder vielleicht deshalb hat Jesus ihn gleichsam vom Zöllnertisch weg  aufgefordert, ihm zu folgen (Mt. 9,9).

Matthäus soll noch um ca. 40 n. Chr. in Jerusalem gewirkt und nach der Zerstörung des Tempels (70 n. Chr.) das Evangelium zusammengestellt haben auf der Basis der damals üblichen mündlichen Überlieferung, besonders einer Sammlung von Worten Jesu und in Anlehnung an die anderen beiden Synoptiker. Daher finden sich in den drei Evangelien vielfach Übereinstimmungen, was in einer schriftlichen Gegenüberstellung (Synopsis) deutlich wird.  Gegen Ende des 1. Jahrhunderts, kam es zur schriftlichen Aufzeichnung. Unsicherheiten in der Identifikation von Matthäus (bei Mk 2,14 wird er Levi genannt) und in der damaligen Gewohnheit, unbekannte Personen mit bekannten gleichzusetzen, führten zu dem Schluss, dass das Evangelium erst nachträglich Matthäus zugeordnet wurde, nachdem es in einer syrisch-christlichen Gemeinschaft niedergeschrieben worden war.

Das Matthäusevangelium wurde zunächst als das älteste der Evangelien angesehen. „Wegen des Reichtums seiner Informationen, seines Aufbaus und seiner ganzen Lesbarkeit galt es als das Evangelium der Kirche, nach dem im allgemeinen zitiert worden ist.“ (Ratzinger).  Die Predigten und Gleichnisse Jesu werden hier am ausführlichsten wiedergegeben. Heute geht man davon aus, dass das Markusevangelium älter ist und Matthäus und Markus  dieses als Grundlage benutzten. Der kunstvolle Aufbau des Matthäusevangeliums mit reichlichem Bezug auf das Alte Testament, der Verwendung von Symbolzahlen und die Verweise auf spätere Ereignisse lassen vermuten, dass ein christlicher Schriftgelehrter die Feder geführt hatte. Die Erweiterungen gegenüber dem Markusevangelium sind besonders Kindheitsgeschichte (ausführlicher Stammbaum zum Nachweis der Davidsohnschaft von Jesus), 5 große Redegruppen (u.a. Bergpredigt,  sieben Gleichnisse und zwei Gleichnisdeutungen) und die Ostergeschichte.

Das Matthäusevangelium war wohl vorwiegend an die Judenchristen gerichtet in der Auseinandersetzung mit dem Judentum. Daneben sollten Juden (=Heiden) überzeugt werden, dass Jesus der im alten Testament angekündigte Messias und somit die Erfüllung der verkündeten Verheißungen sei, wodurch die Ablösung von der Synagogengemeinde eingeleitet wurde. Dennoch gilt das Heil allen Völkern. Dazu erteilte Jesus Anweisungen an die Jünger für die Mission und sagte Verfolgung voraus. Im sogen. Missionsbefehl werden die Jünger beauftragt, alle Völker zu taufen und sie in der Lehre Jesu zu unterweisen.

 

Gedenktag: 21. September (Todestag)
Name bedeutet: Gottes Geschenk
Gestorben: nach 42 n. Chr. in Parthien (Persien); Tod durch das Schwert, durch Feuer, durch Steinigung – oder friedlich entschlafen, je nach Überlieferung. 954 Fund der Reliquien bei Paestum, 1084 Überführung in die Kathedrale von Salerno, das darauf wichtiger Wallfahrtsort wurde.
Attribute: Apostel mit Buchrolle, Mensch oder Engel, Schwert, Geldbeutel,
Patron: von Salerno; von Bankangestellten, Finanz-, Steuer- und Zollbeamten, Wechsler und Buchhalter („Matthäi am letzten“ - jemand steckt in finanziellen Schwierigkeiten);
Bauernregeln: gegen Trunksucht, unheilbare Krankheiten, für den Milchfluss b. Frauen. Tritt Matthäus ein, soll die Aussaat fertig sein. Matthäuswetter hell und klar, bringt guten Wein im nächsten Jahr.

Ottmar Slatosch

Katholische Seelsorgeeinheit Böfingen-Jungingen, Ulm © 2016