Am 30. März 2025

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An diesem Sonntag wählen wir den neuen Kirchengemeinderat. Frauen und Männer werden demokratisch gewählt. Was ist die Aufgabe des Kirchengemeinderat? Der Kirchengemeinderat leitet zusammen mit dem Pfarrer die Kirchengemeinde. Alles, was für die Kirchengemeinde wichtig ist, wird im Kirchengemeinderat beraten und beschlossen. Dabei hat auch der Pfarrer nur eine Stimme. So steht es in der Kirchengemeindeordnung.

Diese Kirchengemeindeordnung wurde 1970 von unserem damaligen Bischof Carl-Joseph Leiprecht in Kraft gesetzt, genehmigt vom Vatikan. Es war die Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Kirche öffnete sich für die moderne Welt. Unsere Diözese Rottenburg bekam eine demokratische Kirchengemeindeordnung, unser Rottenburger Modell. Andere Diözesen haben das nicht. Da gilt: In der Pfarrgemeinde entscheidet der Pfarrer allein, was Sache ist. Die Laien dürfen ihn beraten. Die Laien dürfen ihm helfen, das kirchliche Vermögen zu verwalten. Mehr nicht. Der Pfarrer allein entscheidet. Die Kirche in Deutschland versucht, sich zu erneuern, sich zu reformieren. Das Stichwort lautet: Synodaler Weg. Viele sagen: Die Kirche braucht mehr Demokratie. Alle Getauften sollen mit beraten und mitentscheiden, was in der Kirche gilt. Nicht nur der Bischof allein entscheidet. Nicht nur der Pfarrer allein entscheidet. Dieses demokratische Modell von Kirche gibt es bereits in unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart. Unser Rottenburger Modell. Es ist inzwischen Vorbild für viele andere Bistümer in Deutschland. An diesem Sonntag wählen wir den neuen Kirchengemeinderat. Was ist seine Aufgabe? Er soll dafür sorgen, dass das Evangelium möglichst viele Menschen erreicht. Wie lautet das Evangelium? Jesus erzählt heute: Ein junger Mann lässt sich sein Erbe auszahlen. Er geht von zuhause weg. Sein Vater erlaubt es ihm. Der Sohn verschleudert sein Vermögen in kurzer Zeit. Er leidet Not. Er ist selbst schuld an seinem Absturz. Völlig heruntergekommen, völlig verarmt, so kehrt er nach Hause zurück. Der Vater macht ihm keine Vorwürfe. Er ist einfach nur froh, seinen Sohn lebend wiederzusehen. Mein Sohn war tot und lebt wieder. Ein Fest wird gefeiert. Genau so ist Gott, sagt Jesus, so wie dieser Vater. Er liebt seinen Sohn. Er hat Verständnis für ihn. Er schenkt ihm die Freiheit zu tun und zu lassen, was er will. Er lässt ihn ziehen. Als er zurückkommt, nimmt er ihn wieder bei sich auf, ohne Vorwürfe, voller Freude. Er verzeiht alles. Er verzeiht immer seinem Sohn, weil er ihn liebt, weil er sein Sohn ist. So ist Gott zu uns, seinen Kindern, seinen Söhnen und Töchtern. Das ist eine gute Nachricht, frohe Botschaft, Evangelium. Dass dieses Evangelium möglichst viele Menschen erreicht, in Wort und Tat, das ist unser Ziel, dafür setzen wir uns ein, die Kirchengemeinde, der Kirchengemeinderat. Ob uns das gelingt? Mit Gottes Hilfe. Denkt weiter und vertraut auf das Evangelium. Ich danke allen Frauen und Männern, die im Kirchengemeinderat mitarbeiten. Ich danke allen, die für den Kirchengemeinderat kandidieren, und allen, die wählen gehen. Ich danke dem Wahlausschuss, der die Wahl organisiert und durchführt, und unseren beiden Pfarramtssekretärinnen. Ich danke allen, die in unserer Kirche mitarbeiten, den Kindern, den Jugendlichen, den Erwachsenen, den älteren Menschen. Kirche ist Arbeit. Kirche ist aber auch Freude, Freude an der Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen. Wie heißt es so schön in einem alten Lied, mit neuem Text: Hab einen Job bei der Kirche. Working for the men every night and day. Wir lassen es krachen, machen tolle Sachen; komm vorbei und schau es dir mal an. Nicht nur hier heute rocken viele coole Leute. Rocken in der Kirche. Denkt weiter und vertraut auf das Evangelium.

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 

Vers zum 4. Fastensonntag
Gott ist uns guter Vater, der seine Kinder liebt.
Wir dürfen zu ihm kommen, der jede Schuld vergibt.

 Text des Kehrverses: Markus 1, 15
Musik: Jacques Berthier GL Nr. 386

Bildnachweis: Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn - Frans Francken (1581) - Staatliche Kunsthalle Karlsruhe