Am 04. Oktober 2026

weiz sw

 

Vor 800 Jahren ist Franz von Assisi gestorben. Er ist einer der populärsten Heiligen. Warum? Geboren wird er in einer reichen Kaufmannsfamilie. In jungen Jahren genießt er das Leben. Er feiert Feste mit Freunden und Freundinnen. Er will Ritter werden, zieht in den Krieg, wird gefangengenommen. Nach langer Haft kehrt er nach Hause zurück. Er wird nachdenklich. Er betet in einer Kirche, hört eine Stimme: Francesco, baue meine Kirche wieder auf. Er versteht das wörtlich.

Er beginnt, eine baufällige Kirche zu renovieren. Dann begreift er: Es geht nicht um das Gebäude, gemeint ist die Kirche, die aus lebendigen Steinen erbaut ist. Er beschließt, so zu leben, wie Christus gelebt hat, ohne persönlichen Besitz, ganz frei, ganz offen für die Schöpfung, für die Menschen, für Gott, so wie es im Evangelium steht. Seine Zeitgenossen, auch seine Eltern, sie sind entsetzt: Francesco, du hast einen Vogel. Das stimmt. Der Vogel heißt Heiliger Geist. Das begreifen sie erst langsam. Junge Leute schließen sich ihm an. Ein Orden entsteht. Schnell breitet er sich aus, in Italien, in vielen Ländern. 2013 wird der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, zum Papst gewählt. Er wählt den Namen Franziskus und so verhält er sich auch. Er wohnt nicht im Apostolischen Palast, sondern in zwei Zimmern im Gästehaus des Vatikans. Dort isst er im Speisesaal zusammen mit den anderen Bediensteten. Er trägt seine Aktentasche selbst und er veröffentlicht die erste Enzyklika eines Papstes zum Thema Umweltschutz, Ökologie, Bewahrung der Schöpfung. Ihr Titel: Laudato si. So beginnt der Sonnengesang des heiligen Franz. Auf einem Tuch hier am Altar ist er dargestellt. Was können wir von Franziskus lernen? Er wollte leben, wie Christus gelebt hat, ganz einfach, ganz frei, ganz offen für die Schöpfung, für die Menschen, für Gott, so wie es im Evangelium steht. Können wir das auch? Wollen wir das auch? Eine Frage bleibt: War Christus wirklich arm? Lebte er ohne persönlichen Besitz? War ihm diese reale Armut ein Anliegen, ein Ideal? Jesus von Nazaret zieht durch das Land. Er wird gastfreundlich aufgenommen, meistens. Jünger und Jüngerinnen sorgen für ihn mit ihrem Vermögen. Er verkündet und lebt das Reich Gottes. Gott will, dass alle gut leben können. Gott will, dass alle bekommen, was sie zum Leben brauchen. Jesus feiert gerne Feste und er sagt: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Er preist die Armen, nicht weil Armut an sich etwas Gutes ist. Er preist sie, weil das Reich Gottes zu ihnen kommt und sie aus ihrer Armut befreit werden. Reich Gottes ist Leben in Fülle, nicht Leben im Mangel. War Christus arm? Die Frage behandelt Umberto Ecco in seinem Roman „Der Name der Rose“ und im gleichnamigen Film. Wir sind im Mittelalter, in einer Abtei in Italien. Dort treffen sich Abgesandte des Papstes und Gelehrte aus dem Franziskanerorden. Sie streiten. War Christus arm? Muss deshalb die Kirche auf Besitz verzichten? Gleichzeitig werden im Kloster Mönche ermordet. Aufklären soll das ein Spezialagent aus England, William von Baskerville, Sean Connery, James Bond. Ein echter Krimi. Der Streit um die Armut ist nur - Kulisse. Was nehmen wir mit? Materieller Besitz ist wichtig, aber nicht das Wichtigste. Wirklich wichtig ist: Leben wie Christus gelebt hat, einfach, frei, offen für die Schöpfung, für die Menschen, für Gott, so wie es im Evangelium steht. Das sagt uns heute am 4. Oktober Francesco.

 

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 

Bildnachweise:

  • El Cantico - Der Sonnengesang - Öl auf Leinwand des Seesorgers und Künstlers Uli Viereck
  • Der hl. Franziskus und die hl. Clara - Öl auf Leinwand des Seesorgers und Künstlers Uli Viereck

Zu finden in der Sonderausstellung zum Hl Franziskus auf: https://viereck-kunst.de/index.php/der-heilige-franz-von-asissi