Am 25. Oktober 2026
Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Das sagt Jesus im Evangelium. Wir stimmen ihm zu. Doch was heißt das, Gott lieben und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, ganz konkret, in einer ganz bestimmten Situation? Wir kennen das. Ich muss etwas einkaufen, in der Stadt. Fahre ich mit dem Auto? Das ist bequem, aber nicht umweltfreundlich. Nehme ich die Straßenbahn? Die ist oft rappelvoll.
Da könnte ich mich anstecken, mit einem grippalen Infekt oder mit der neuen Corona-Variante. Fahre ich mit dem Rad? Bei schlechtem Wetter ist das gefährlich. Einem Kollegen von mir wurde das Rad in der Stadt geklaut. Oder bleibe ich zu Hause und bestelle das Teil, das ich brauche, im Internet? Es wird mir dann ins Haus geliefert von einem Paketboten, der vermutlich nicht besonders gut bezahlt wird. Esse ich weiterhin Fleisch oder stelle ich meine Ernährung um? Lebe ich ab sofort vegetarisch oder sogar vegan? Kein Fleisch, keine Milchprodukte. Das wäre vielleicht gesünder. Die Umwelt und die Tiere wären geschont und ich auch. Wenn ich Urlaub habe, fliege ich dann nach Mallorca oder fahre ich wieder einmal an die Ostsee mit dem Auto? Das sind 800 Kilometer. Oder nehme ich diesmal die Deutsche Bahn? Kaufe ich mir jetzt endlich ein Elektro-Auto. Das wäre umweltfreundlich. Der Strom ist viel billiger als das Benzin. Oder fahre ich weiter mein Auto mit Verbrennungsmotor? Was tun? Es gibt viele Argumente für das eine, für das andere. Ich denke nach, ich wäge ab, ich frage mich: Wie fühle ich mich, wenn ich mich so oder so entscheide? Was sagen die Leute um mich herum? Wie kommt das bei denen an? Dann treffe ich eine Entscheidung, meine Entscheidung. Auch wenn ich mich nicht entscheide, habe ich eine Entscheidung getroffen, nämlich, dass alles so bleibt, wie es ist. Wir entscheiden uns jeden Tag. Wir treffen diese Entscheidungen in unserem Gewissen. Das Gewissen ist die Stimme Gottes im Herzen eines jeden Menschen. Das sagt der englische Theologe und spätere Kardinal John Henry Newman. Er lebte im 19. Jahrhundert. Er sagt: Unser Gewissen hat zwei Seiten. Zum einen können wir im Gewissen erkennen, was gut und richtig ist. Das Gewissen ist moral sense, unser Sinn für moralische Urteile, unser moralisches Gespür, unser moralischer Kompass. Er zeigt uns die Richtung an. Aber das Gewissen sagt nicht nur, was gut und richtig ist, es sagt auch, dass wir das Richtige und Gute tun müssen. Das ist unsere Pflicht.Das Gewissen ist sense of duty. Diese Erfahrung der moralischen Pflicht ist der Ort, an dem wir spüren: Diese Stimme, die hier zu mir spricht, das ist nicht meine Stimme. Das ist die Stimme Gottes. Das Gewissen als sense of duty ist für Newman ein wichtiger Ort der Gotteserfahrung. Gott ist bei uns. Er zeigt uns den richtigen Weg und er drängt uns, den Weg auch zu gehen. Er verpflichtet uns, das Gute zu tun. Wie komme ich in die Stadt? Mit dem Auto? Mit der Straßenbahn? Mit dem Rad? Lebe ich ab sofort vegan oder wenigstens vegetarisch? Wie geht´s in den Urlaub? Mit dem Flieger? Mit dem Auto? Mit der Bahn? Kaufe ich mir ein E-Auto? Wie entscheiden Sie? Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten und wie dich selbst. Was heißt das konkret, in einer ganz bestimmten Situation? Das erkennen wir, das entscheiden wir in unserem Gewissen.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Kardinal Newman hört auf sein Gewissen - KI-generiert

