Am 15. Februar 2026

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Wir befinden uns derzeit in der fünften Jahreszeit. Sie heißt Fasching, Fasnet, Karneval. Wer mitfeiert, verkleidet sich, vor allem die Kinder. Sie sind jetzt Cowboy oder Spidermann, Prinzessin oder Hexe. Hermine Granger lässt grüßen. In der schwäbisch-alemannischen Fasnet tragen die Hästräger eine Maske. Das war schon vor 2000 Jahren so, im Theater, in Griechenland, in Rom. Die Schauspieler tragen eine Maske. Durch die Maske hindurch kann man die Stimme des Akteurs hören. Die Stimme klingt durch die Maske, lateinisch: per-sonare, durch-tönen. Deswegen heißt die Maske lateinisch Persona.

Wenn der Schauspieler die Maske überzieht, dann schlüpft er in eine Rolle. Daher ist Persona auch der Name für die Rolle, die er jetzt spielt. Theater, das ist Unterhaltung, Erholung, Abstand vom Alltag; es tut der Seele gut. Theater hilft, die Welt und uns selbst besser zu verstehen. Man schlüpft in eine Rolle. Man spürt nach, wie sich das anfühlt. Wie wäre das denn, wenn ich jemanden umbringen würde? Das ist furchtbar. Das geht gar nicht. Du sollst nicht töten! Wie wäre das denn, wenn ich etwas mit der Frau meines besten Freundes anfangen würde? Das ist furchtbar. Das geht gar nicht. Du sollst nicht die Ehe brechen! Wie wäre das denn, wenn ich vor Gericht lügen würde, einen Meineid schwören? Das ist furchtbar. Das geht gar nicht. Du sollst nicht lügen! Theater hilft, die Welt und uns selbst besser zu verstehen. Wir lernen: Mit einer Armbrust kann man nicht nur auf einen Apfel schießen. Wir lernen, wie das ist, wenn man die Gretchenfrage stellt. Wir lernen, was des Pudels Kern ist, was die Welt im Innersten zusammenhält. Wir lernen: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Die Christen in den ersten Jahrhunderten kennen das Theater und sie haben ein Problem, ein theologisches Problem. Sie fragen: Wie ist das eigentlich mit Gott? Wir glauben an einen Gott. Er ist wie ein Vater. Er hat die Welt erschaffen. Er sorgt für uns. Er verzeiht uns, wenn wir Fehler machen, weil er uns liebt. Das sagt uns Jesus Christus. Er, Jesus, ist viel mehr als ein Mensch. Er ist Gottes Sohn. Er ist Gott. Wir lassen uns anstecken von diesem Glauben. Wir sind begeistert. Diese Begeisterung kommt direkt von Gott. Sie ist Gott, Heiliger Geist. Da sind also Drei, Vater, Sohn und Heiliger Geist, und doch ist da nur ein Gott. Wie geht das zusammen: Eins und Drei? Theologen überlegen. Gott offenbart sich uns, er zeigt sich uns als Vater, als Sohn, als Heiliger Geist. Wir glauben an einen Gott in drei Personen. Persona, die Maske, die Rolle aus dem Theater, sie bekommt plötzlich eine völlig neue Bedeutung, größer, weiter. Ein Gott in drei Personen. So entwickelt sich unser moderner Begriff der Person. Jeder Mensch ist Person, ein Individuum, einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Er hat eine Würde, die nicht angetastet werden darf. Er hat Grundrechte, Menschenrechte, die dürfen ihm nicht genommen werden. Jeder Mensch ist Person. Person, das ist viel mehr als nur eine Maske, die ein Schauspieler trägt, mehr als nur eine Rolle, die er spielt, für eine gewisse Zeit, solange die Vorstellung dauert, im Theater. Jeder Mensch ist Person. Das gilt immer. Wenn der Priester die Eucharistie feiert, handelt er in Persona Christi. In der fünften Jahreszeit verkleiden wir uns, tragen eine Maske. Das Theater hilft uns, die Welt und uns selbst besser zu verstehen. Wir glauben an einen Gott in drei Personen.

 

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

Bildnachweise:

  • Trinität - KI-generiert
  • Antike Schauspieler mit Masken - KI-generiert