Am 10. Mai 2026
Wir wollen das Evangelium verstehen. Wir stellen vier Fragen. Die erste Frage lautet: Was ist tatsächlich geschehen, damals vor fast 2000 Jahren, im Heiligen Land? Das heutige Evangelium ist aus dem Johannesevangelium entnommen, so wie fast alle Evangelien jetzt in der Osterzeit. Das Evangelium nach Johannes ist das vierte im Neuen Testament. Es wurde als letztes von allen Evangelien geschrieben, um das Jahr 90 oder 100, also 60 oder 70 Jahre nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus. Das ist ein großer zeitlicher Abstand zu den Ereignissen.
Ist das Johannesevangelium überhaupt geeignet als Quelle für historische Fakten? Als es geschrieben wurde, hatten sich die Christen schon vollständig von der jüdischen Religionsgemeinschaft getrennt. Sie gingen nicht mehr in die Synagoge, zum Beten, zum Gottesdienst, und der Tempel in Jerusalem? Den gab es seit über 20 Jahren nicht mehr. Die Römer hatten ihn im Krieg zerstört. Das Johannesevangelium ist so ganz anders als die drei anderen Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas. Johannes hat seinen eigenen Blick auf Jesus Christus. So kommen wir zur zweiten Frage. Was sagt uns das Evangelium über unseren Glauben an Gott? Wer ist Gott und wie steht er zu uns? Antworten bekommen wir, wenn wir auf Jesus Christus schauen und auf ihn hören. In ihm hat sich Gott ausgesprochen, mitgeteilt, geoffenbart, endgültig. Jesus Christus sagt: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Christus ist der Sohn des himmlischen Vaters in einzigartiger Weise. Im Johannesevangelium wirkt er sieben Zeichen. Sie zeigen uns, wer er ist. Jesus verwandelt Wasser in Wein bei der Hochzeit von Kana. Er heilt den Sohn eines königlichen Beamten. Er heilt einen Gelähmten. Er gibt der Volksmenge am See von Tiberias zu essen. Er geht über den See. Er heilt einen Blindgeborenen. Schließlich erweckt er seinen toten Freund Lazarus zum Leben. Jesus redet lange; er deutet die Zeichen. Er sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin das Licht der Welt. Ich bin die Tür. Ich bin der Gute Hirt. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Daraus folgt die dritte Frage: Was sollen wir tun? Jesus sagt: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Seine Gebote, das sind gleichsam als Basis die Zehn Gebote: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch aussagen. Doch das allein reicht nicht aus. Gott und deinen Nächsten sollst du lieben. Sogar deine Feinde sollst du lieben. Deinen Nächsten sollst du nicht bloßstellen, wenn er einen Fehler begangen hat. Du sollst ihm verzeihen, nicht siebenmal, sondern 77-mal, also immer. Wer kann das? Wer kann diesem hohen Anspruch gerecht werden? Jesus sagt: Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben wird. Der Beistand, der Heilige Geist, er inspiriert uns, er begeistert uns, er motiviert uns, das Gute zu tun, und er zeigt uns den richtigen Weg. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Wir schließen mit der vierten Frage: Was dürfen wir hoffen? Was wird sein, ganz am Ende? Die Gebote werden von niemandem mehr übertreten. Alle haben, was sie zum Leben brauchen. Alle leben in Frieden. Keiner kommt mehr auf die Idee, Massenvernichtungswaffen zu produzieren. Keiner kommt mehr auf die Idee, einen Krieg zu beginnen. Das ist vorbei. Die alte Welt ist vergangen. Alle sind in Liebe miteinander verbunden. Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Das Lamm lagert neben dem Löwen, das Kind spielt am Schlupfloch der Natter - KI-generiert

