Am 3. April 2026
Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Das ist unser Jahresthema. Was bedeutet es heute, am Karfreitag? Jesus ist gestorben. Wo ist da der Sinn? Ist das nicht völlig sinnlos, vor allem für seine Jünger? Der wichtigste Mensch in ihrem Leben ist ihnen genommen. Der beste Mensch, den sie kennen, unschuldig ermordet. Sie sind unendlich traurig. Sie gehen weg von Jerusalem. Alles war umsonst, alles ist verloren, jegliche Hoffnung ist ausradiert, so scheint es. Wo ist das Leben?
Heute herrscht doch der Tod. Wo ist die Liebe? Heute regiert offensichtlich der Hass, der Hass im Herzen seiner Feinde, in ihren Augen, in ihrem Tun. Wo ist der Sinn? Wo ist das Leben? Wo ist die Liebe? Wofür hat Jesus gelebt? Wofür ist er gestorben? Er verkündet und lebt das Reich Gottes. Gott will, dass alle Menschen gut leben können, in Gerechtigkeit, in Frieden, in guten Verhältnissen, weil er die Menschen liebt. Diese neue Welt, die von Gott kommt, sie hat schon begonnen, in Jesus, in dem, was er sagt und tut, in dem, was seine Jünger sagen und tun. Doch nicht allen gefällt das. Jesus übertritt Grenzen, um Menschen zu helfen. Er achtet auf die, die an den Rand gedrängt sind, auf Arme und Kranke, auf Zöllner und Sünder, auf die Ausländer, auf die Frauen. Er lässt sie erfahren: Ich bin für euch da. Gott ist für euch da. Jesus vergibt Sünden, was nur Gott kann. Jesus vertreibt die Händler und die Geldwechsler aus dem Tempel. So wird er zu einer Gefahr für das etablierte religiöse System. Er wird zur Gefahr für die Zusammenarbeit der Hohepriester mit den Römern, die das Land regieren und ausbeuten. In allem gibt Jesus zu erkennen: In mir ist Gott selbst am Werk. Manche sehen darin eine Gotteslästerung. Sie bekämpfen ihn. Sie wollen ihn aus dem Weg räumen. Sie wollen ihn beseitigen. Er ahnt es. Er weiß es, was auf ihn zukommt. Doch er geht seinen Weg weiter, unbeirrt. Er bleibt seinem Auftrag treu. Er bleibt seinem Vater im Himmel treu, bis zur letzten Konsequenz, bis zum Tod. Jesus, Gottes Sohn, stirbt am Kreuz, unschuldig. Was geschieht jetzt? Schlägt Gott zurück? Bestraft er die Mörder? Sie hätten es verdient. Rächt Gott die Ermordung seines Sohnes? Er tut es nicht. Er nimmt es hin. Er verzeiht. Er verzeiht dieses größte aller Verbrechen. Er vergibt diese größte Schuld. Gott verzeiht. Er vergibt immer und überall. In seinem Sohn Jesus Christus wird das offenbar, ein für alle Mal. Seine Liebe ist stärker als der Hass. Seine Liebe, seine Barmherzigkeit, sie ist stärker als der Tod. Das ist das Evangelium, frohe Botschaft, heute, an diesem todtraurigen Tag, am Karfreitag. Menschen entdecken dieses Evangelium. Sie verkünden es. Sie setzen es in die Tat um. Sie bleiben ihm treu, bis zur letzten Konsequenz. Dietrich Bonhoeffer. Unser Jahresthema geht auf ihn zurück. Er hält am Evangelium fest, gegen die bösen Mächte seiner Zeit. Er stirbt als Märtyrer, als Gefangener der NS-Diktatur, und er weiß sich doch von guten Mächten wunderbar geborgen. Martin Luther King, Er hält am Evangelium fest, gegen die bösen Mächte seiner Zeit. Er stirbt als Zeuge des Glaubens, getragen von der Hoffnung, dass sein Traum in Erfüllung geht: Alle Menschen haben gleiche Rechte, Menschenrechte, Menschenwürde. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Wo ist der Sinn? Wo ist das Leben? Wo ist die Liebe? Heute, am Karfreitag? Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Giotto di Bondone: Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel - Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International
- Christus des heiligen Johannes vom Kreuz - Salvadore Dali © 1951
- Dietrich Bonhoeffer - WIKIMEDIA - Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International
- Martin Luther King jr. - WIKIMEDIA - Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

