Am 14. Mai 2026

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Wir Christen haben eine Mission. Christus sagt im Evangelium: Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, das ist eine echte Herausforderung. Menschen für das Evangelium begeistern, sie für den christlichen Glauben begeistern, weltweit, vor allem aber hier und jetzt, bei uns, das ist eine Herausforderung, nicht nur für den Pfarrer und die Religionslehrerin, sondern auch für Eltern und Großeltern.

Menschen für das Evangelium begeistern, wie geht das? Was können wir tun? Papst Paul VI. hat 1975 ein Rundschreiben veröffentlicht, die Enzyklika Evangelii nuntiandi, frei übersetzt: das Evangelium verkünden, die frohe Botschaft unter die Leute bringen. Wie geht das? Es geht in drei Schritten. Sie heißen: Leben, Deuten, Feiern. Der erste Schritt: Leben. Lebe, was du vom Evangelium verstanden hast, und wenn es noch so wenig ist; aber lebe es! Das sagt Frère Roger, der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé. Lebe, was du vom Evangelium verstanden hast. Das versuchen wir. Andere bemerken das. Sie fragen uns: Warum macht ihr das? Anderen helfen, eigene Interessen zurückstellen, Menschen, die Fehler gemacht haben, verzeihen, Frieden stiften, auf Gewalt verzichten? Dann kommt der zweite Schritt: Deuten. Wir antworten: Jesus Christus, Gott, lädt uns ein, so zu handeln. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Liebt eure Feinde. Tut denen Gutes, die euch verfolgen. Verzeihe deinem Nächsten, wenn er etwas falsch gemacht hat. Verzeihe ihm, nicht siebenmal, sondern 77-mal, also immer. Wir versuchen das. Manchmal gelingt es uns und wir machen die Erfahrung: Das geht und es ist in hohem Maße sinnvoll. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Das Evangelium leben, das ist der erste Schritt. Darüber sprechen, das ist der zweite Schritt, und schließlich kommt der dritte Schritt: Feiern, Gottesdienst feiern, dankbar, voller Freude. Drei Schritte: Leben, Deuten, Feiern, in dieser Reihenfolge. So kommt das Evangelium unter die Leute. Das rät uns Papst Paul VI. Können wir das? Ja, wir können es. Denn wir sind nicht allein. Jesus Christus sagt: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde … seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Jesus Christus ist 40 Tage nach seiner Auferstehung heimgekehrt zu seinem Vater im Himmel. Das feiern wir heute, Christi Himmelfahrt. 40 Tage ist er seinen Jüngern erschienen. Jetzt aber, nach Ablauf dieser Zeit, können sie ihn nicht mehr sehen. Trotzdem ist er bei ihnen. Das spüren sie. Das erfahren sie. Er inspiriert sie. Er begeistert sie weiterhin. Er sendet ihnen den Heiligen Geist. Um diesen Geist bitten wir jetzt, in den Tagen vor dem Pfingstfest. Wir vertrauen darauf: Dieser Geist wird uns geschenkt. Das feiern wir an Pfingsten. Der Geist befähigt uns, unsere Mission anzupacken. Wir können es, das Evangelium unter die Leute bringen, in drei Schritten: Leben, Deuten, Feiern. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist.

 

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 

Bildnachweise:

    • Papst Paul VI - WIKIMEDIA CC BY-SA 3.0
    • Christi Himmelfahrt - SEBASTIANO RICCI um 1702
    • Frere Roger Schütz † - WIKIMEDIA CC BY-SA 3.0