am 22. November 2020

Evangelium: 1Kor 15

Neulich habe ich in arte einen Film gesehen, der mich beeindruckt hat. Sein Titel: Auferstehen. Im französischen Original: La Prière. Das Gebet. Ein junger Mann, Thomas, er ist 22, er ist drogenabhängig. Jetzt sitzt er im Bus. Sein Gesicht erzählt seine Geschichte. Er ist unrasiert. Unter dem linken Auge hat er eine Platzwunde und eine Schwellung, ein Hämatom.

Er fährt zu einem einsamen Bauernhof in den Bergen. Dort finden Menschen Zuflucht, die von den Drogen wegkommen wollen. Was tun sie dort?   Eine Szene ist eindrücklich. Thomas. In der Nacht beginnt er zu zittern. Er muss sich übergeben. Er stürzt zu Boden. Er schlägt um sich, wie wenn er einen epileptischen Anfall hätte. Doch es ist keine Epilepsie. Es ist der Entzug. Sein Körper rebelliert, weil er keine Drogen mehr bekommt. Doch Thomas ist nicht allein. Drei seiner Kameraden sind sofort bei ihm. Sie halten ihn fest, damit er sich nicht verletzt, bis er ruhiger wird. Sie legen ihn aufs Bett, decken ihn zu. Einer stellt einen Stuhl neben das Bett und setzt sich. Die ganze Nacht passt er auf Thomas auf wie ein Schutzengel, sein Schutzengel. Er weiß, was Thomas gerade durchmacht, weil er es selbst erlebt hat vor Monaten. Er hat es überstanden. Jetzt hilft er Thomas, dass er das auch schafft.   Die jungen Leute leben zusammen. Keiner wird allein gelassen. Einer ist für den anderen da. Sie arbeiten zusammen. Sie beten zusammen. Sie beten den Rosenkranz und sie feiern Eucharistie. Die Gemeinschaft und der Glaube, das tut ihnen gut. Es hilft ihnen zurückzufinden ins Leben. Das klingt jetzt aber sehr einfach und sehr fromm. Zu einfach? Nein. Es gibt sie wirklich, diese Bauernhöfe, wo viele junge Menschen vor dem Tod durch die Drogen gerettet werden. Viele junge Frauen und Männer.   Warum erzähle ich das? In der heutigen Lesung aus dem 1. Brief an die Christen in Korinth steht: Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen … wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Die jungen Leute auf diesem Bauernhof in den Bergen, beinahe hätten die Drogen sie umgebracht. Sie haben ins Leben zurückgefunden. Sie wurden auferweckt vom Tod, dem sie schon ins Angesicht geblickt hatten. Sie waren schon auf dem Weg, den Adam, der erste Mensch, als erster eingeschlagen hat. Ein Weg, der in den Tod führt. Doch Christus, von den Toten auferweckt als der Erste der Entschlafenen, er hat sie zum Leben erweckt. In Christus werden sie lebendig gemacht. Der Glaube an Christus und die Gemeinschaft, die er stiftet, schenkt ihnen das Leben neu. Die Gemeinschaft und der Glaube. Christus, von den Toten auferweckt als der Erste der Entschlafenen.   Was bedeutet das für uns? Wir können fragen: Wo sind in unserer Umgebung Menschen, die auf dem Weg sind, den Adam als erster eingeschlagen hat? Ein Weg, der weg führt vom Leben? Jetzt in dieser Zeit der Pandemie klagen viele über Einsamkeit. Was können wir tun? Wo können wir einladen zur Begegnung, zur Gemeinschaft, zur Gemeinschaft im Glauben? Es beginnt mit den kleinen Dingen. Ein Telefonanruf. Ein Gespräch beim Einkaufen. Wie geht es dir? Brauchst du etwas? Kann ich etwas für dich tun? Begegnung. Gemeinschaft. Gemeinschaft im Glauben. Komm doch mit am Sonntag zum Gottesdienst!   Wir können auch fragen: Sind wir selbst auf dem Weg, den Adam als erster eingeschlagen hat? Ein Weg, der weg führt vom Leben? Haben wir den Mut, das einzusehen? Haben wir den Mut zu suchen? Wo kann ich Menschen und Orte finden, wo mir Begegnung angeboten wird. Gemeinschaft. Auch Gemeinschaft im Glauben. Es gibt diese Orte. Es gibt diese Menschen. Habe ich den Mut, mich auf den Weg zu machen? So wie Thomas, der sich in den Bus setzt und in die Berge fährt zu diesem Bauernhof?   Die Gemeinschaft und der Glaube schenken Leben. Neues Leben. Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.  

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner