Am 11. Juni 2023

erstkommunion sw

EVANGELIUM: Mt 9, 9–13

Wir wollen gut leben. Wir halten uns an die Zehn Gebote. Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du wirst, du sollst nicht stehlen. So lautet das siebte Gebot der kirchlichen Zählung. Worum geht es? Das hebräische Wort ganab in der Bibel kann übersetzt werden mit: Stehlen. Aber auch mit: Entführen. Oder mit: Rauben.

Nicht nur Sachen können gestohlen werden, auch Menschen können entführt, geraubt, versklavt werden. Die Freiheit wird ihnen genommen. Das erfahren die Israeliten in Ägypten. Sie sind Sklaven, unterdrückt, ausgebeutet. Gott sieht ihre Not. Er befreit sie. Exodus. Movement of Jah People. Israel soll die neue Freiheit achten und bewahren. Deshalb das Gebot: Du sollst nicht stehlen, nicht entführen, nicht rauben. Menschen können nur glücklich und in Freiheit leben, wenn der Umgang mit dem Eigentum gerecht geregelt ist. Eigentum kann frei machen. Es kann ein Leben in Würde und in Wohlstand ermöglichen. Ein Unternehmer führt seinen Betrieb, klug und verantwortungsvoll. Er tut das nicht nur, um selbst viel zu verdienen. Er tut es auch aus sozialer Verantwortung. Mitarbeitende sollen einen guten Arbeitsplatz haben. Sie sollen in Wohlstand und sozialer Sicherheit leben können. Eigentum kann frei machen. Eigentum kann aber auch unfrei machen. Manche Reiche wollen immer noch mehr besitzen, nicht, um sich oder anderen etwas Gutes zu gönnen. Nein, nur um des Reichtums willen. Solche Leute sind meist keine angenehmen Zeitgenossen. Sie machen selten einen glücklichen Eindruck. Was hilft gegen die Habsucht, gegen den Geiz? Das Almosen-Geben. Großzügig Arme unterstützen. Das sagen und die alten Mönche, die Väter und Mütter in der ägyptischen Wüste. Falscher Umgang mit Eigentum macht unfrei. Das gilt für die Reichen, mehr noch für die Armen. In den Ländern des Südens arbeiten viele hart und haben doch keine Chance, ein Minimum an Wohlstand zu erlangen. Von ihrer Arbeit profitieren wenige Reiche im eigenen Land, Großgrundbesitzer, Politiker. Von ihrer Arbeit profitieren auch wir. Die Preise für Produkte aus der sogenannten Dritten Welt sind meist niedrig, niedriger als ihr eigentlicher Wert. Was tun? Wir können Erzeugnisse kaufen, die aus fairem Handel stammen. Wir können Entwicklungsprojekte unterstützen. Die Politik muss eine gerechte Weltwirtschaftsordnung schaffen, faire Preise, bezahlbare Kredite. Falscher Umgang mit Eigentum macht unfrei, auch bei uns. Viele arbeiten für Niedriglöhne. Sie haben mehrere Jobs. Viele sind arbeitslos. Ist das gerecht? Gerechter Umgang mit Eigentum ermöglicht ein Leben in Freiheit und Würde. Jeder Mensch hat ein Recht auf Nahrung und Kleidung, auf Wohnung und Arbeit, auf Information, Bildung und Kultur. Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Wer viel besitzt, ist verpflichtet, sein Eigentum nicht nur für sich, sondern auch für andere zu verwenden. Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du wirst, du sollst nicht stehlen.

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner