Am 2. April 2026
Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Was bedeutet unser Jahresthema heute, am Abend des Gründonnerstags? Ist das, was wir hier in der Kirche tun, Gottesdienst feiern, sinnvoll? Wir haben uns entschieden, heute hierher zu kommen. Wir entscheiden uns an Sonntagen, an Feiertagen, an Werktagen, zum Gottesdienst zu kommen. Diese Entscheidung und unsere Präsenz, sie zeigen: Gottesdienstfeiern ist sinnvoll.
Das sagt auch Romano Guardini, einer der großen Denker des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er 1885 in Verona. Bald zog die Familie nach Deutschland, nach Mainz. Der Vater war Konsul. Guardini studierte Naturwissenschaften, Staatswissenschaft, Theologie, an verschiedenen Universitäten. Er war Professor für Philosophie und christliche Weltanschauung in Berlin, in Tübingen, in München. Er war Seelsorger für junge Menschen. Mit ihnen feierte er schon in den 1920er Jahren die Messe in deutscher Sprache, statt wie damals vorgeschrieben ausschließlich in Latein. Alle waren aktiv am Gottesdienst beteiligt. Diese Erfahrungen der Jugendbewegung und der liturgischen Bewegung hat das Zweite Vatikanische Konzil aufgenommen und die Liturgie so gestaltet, wie wir sie heute kennen und schätzen. Guardini sagt: Gottesdienst feiern, Liturgie, ist sinnvoll, aber zwecklos. Liturgie dient nicht einem Zweck. Sie ist nicht primär dazu da, dass wir moralischer werden oder fleißiger oder gescheiter. Liturgie hat ihren Sinn in sich selbst. Das ist so, wie wenn ein Künstler ein Werk schafft. In seinem Tun ist er ganz bei sich und bei seinem Werk. Er denkt nicht darüber nach: Wozu ist das gut? Was hat das für einen Zweck? Das ist so, wie wenn ein Kind spielt. In seinem Tun ist es ganz bei sich, in seiner eigenen Welt. Es denkt nicht darüber nach: Wozu ist das gut? Was hat das für einen Zweck? Wenn wir Gottesdienst feiern, dann sind wir Kinder Gottes. Wir spielen vor ihm, so wie auch die Engel vor ihm spielen. Wir sind Künstler, ganz bei uns, in unserem Werk, ganz bei ihm, in seinem Werk. Liturgie ist auch ein Spiel, ein heiliges Spiel, zwecklos, aber sinnvoll. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Jesus hält mit seinen Freunden das letzte Abendmahl. Es ist das jüdische Pessachmahl. Es erinnert an den Auszug aus Ägypten. Die Israeliten sind Sklaven in Ägypten. Gott befreit sie. Bevor sie aufbrechen in die Freiheit essen sie. Es gibt Brot, Wein, ein Lamm. Das tun die Israeliten an Ostern, jedes Jahr, als Erinnerung. Gott rettet uns damals und heute. Das feiert Jesus mit seinen Freunden. Gott rettet uns. Jesus nimmt Brot und Wein. Er reicht seinen Freunden das Brot, den Kelch. Er sagt: In diesen Gaben bin ich bei euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Immer, wenn ihr das tut, bin ich bei euch, in den guten Zeiten, in den schlechten Zeiten. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Christus feiert dieses Abendmahl mit uns. Er lädt uns ein zum Mitspielen in seinem heiligen Spiel, heute, am Abend des Gründonnerstags, an jedem Sonntag, an jedem Feiertag, an jedem Tag, wenn wir es wollen. Wir sind ganz bei ihm und ganz bei uns selbst. Das ist zwecklos, aber in höchstem Maße sinnvoll.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Ausschnitt aus dem Fastenhungertuch von Katrin Breidbach - Foto: Wolfgang Feilen © 2022
- Das letzte Abendmahl - Salvadore Dali © 1955
- Romano Guardini - WIKIMEDIA - Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

