Am 24. Mai 2026
Ich bewundere Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, Kinder, die fließend deutsch sprechen und türkisch, Kinder, die fließend deutsch sprechen und russisch. Ich selbst beherrsche außer meiner Muttersprache Schwäbisch leider nur eine andere Sprache, das ist Hochdeutsch. Wir können alles, auch Hochdeutsch. Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, sie treffen aufeinander. Davon erzählt die Lesung aus der Apostelgeschichte, heute an Pfingsten. Pilger aus vielen verschiedenen Ländern kommen nach Jerusalem zum Pfingstfest.
Die Apostel, erfüllt vom Heiligen Geist, verkünden ihnen das Evangelium in ihrer je eigenen Sprache, in vielen unterschiedlichen Sprachen. Das ist ein Wunder. Dieses Wunder bezieht sich auf eine andere Geschichte in der Bibel, im Alten Testament, den Turmbau zu Babel. Die Menschen sprechen damals nur eine Sprache, eine gemeinsame Sprache. Das ist perfekte Kommunikation. Die befähigt sie, ein Großprojekt zu planen und zu bauen, einen riesigen Turm. Der soll bis zum Himmel reichen. Menschen erreichen den Himmel aus eigener Kraft. Das macht Gott Sorge. Die Menschen, sie sind verrückt geworden, stolz, überheblich. Das ist gefährlich. Das darf nicht sein. Also beschließt er, etwas dagegen zu tun. Er verwirrt die Sprache der Menschen. Er zerstört ihr Kommunikationssystem. Er startet den ersten Hackerangriff der Geschichte, mit Erfolg. Die Menschen können nicht mehr miteinander kommunizieren. Keiner versteht mehr das Gebabbel des anderen. Das Projekt Babel 21 scheitert. Es wird eingestellt. Unten bleiben. Die Menschen zerstreuen sich über die ganze Welt. Der Turmbau zu Babel ist gescheitert wegen eines Hackerangriffs von ganz oben. Auf dieses Fiasko antwortet die heutige Lesung. Die Apostel sprechen und verstehen viele verschiedene Sprachen. So können sie allen Menschen das Evangelium verkünden. Wie ist das möglich? Es geht, weil eine neue Software in das System eingespielt wird, von ganz oben. Heiliger Geist, der führt die Menschen zusammen, der führt die Menschen zum Glauben, zum gemeinsamen Glauben. Menschen sprechen eine gemeinsame Sprache. Das führt sie zusammen. Menschen singen und musizieren zusammen. Sie verstehen und sprechen die Sprache der Musik. Das verbindet sie. Menschen treiben zusammen Sport, demnächst bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Da treffen Mannschaften aus den verschiedensten Ländern aufeinander. Der Sport verbindet sie. Alle wissen: Das Runde muss ins Eckige. Alle kennen das Kartenspiel: die gelbe Karte, die rote Karte. Menschen feiern zusammen Gottesdienst. Ich bin im Urlaub in Griechenland. Am Sonntag gehe ich in die Kirche. Ich verstehe die Sprache nicht wirklich. Trotzdem kann ich der orthodoxen Liturgie folgen. Ich weiß: Jetzt kommt das Evangelium, jetzt kommt die Kommunion, jetzt kommt der Segen, wie bei uns zu Hause. Der Glaube verbindet uns. Wir sind eine Familie, Kinder Gottes. Die Sprache des Glaubens, die Sprache der Liturgie, sie verbindet uns, sie führt uns zusammen. Hackerangriffe haben keine Chance. Eine neue Software ist eingespielt von ganz oben, Heiliger Geist, nicht nur heute, an Pfingsten.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Pfingsten - Fr. Juan Bautista Maíno um 1613
- Orthodoxer Gottesdienst in der Alexiuskapelle in Paderborn - Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.
- DerTurmbau zu Babel - Pieter Bruegel der Ältere, um 1563

