Am 31. Mai 2026

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Wir wollen nicht nur das Evangelium verstehen, sondern auch die Lesung. Heute ist sie aus dem Alten Testament entnommen, aus dem Buch Exodus. Auch hier stellen wir vier Fragen. Die erste: Was ist tatsächlich geschehen, damals vor mehr als 3000 Jahren, in der Wüste Sinai, auf halbem Weg zwischen Ägypten und dem Heiligen Land? Eine Gruppe von Zwangsarbeitern ist aus Ägypten geflohen. Sie haben es dort nicht mehr ausgehalten, die harte Arbeit, die Ausbeutung, die Unfreiheit. Auf ihrer Flucht werden sie verfolgt, von ägyptischen Grenztruppen. Die sind hochgerüstet, mit Waffen, mit schnellen Wagen, militärisch haushoch überlegen.

Sie kommen immer näher. Die Lage scheint aussichtslos für die Flüchtenden. Doch dann geschieht das Unerwartete, am Schilfmeer. Die Verfolger bleiben stecken, im Sumpf. Sie versinken im Wasser. Die Flüchtenden entkommen. Das ist ein Wunder, die Rettung am Schilfmeer. Die Geretteten glauben fest: Gott hat uns gerettet. Er ist bei uns. Er ist stark. Er ist stärker als die Ägypter. Das ist das wichtigste Ereignis in der Geschichte des Volkes Israel: Gott rettet uns aus der Sklaverei in Ägypten. Er schenkt uns die Freiheit. Was für ein Wunder! In der Wüste Sinai erfahren sie, wie ihr Gott heißt: Jahwe, ich bin da, ich werde für euch da sein. Damit sind wir schon bei der zweiten Frage: Was sagt uns die Lesung über unseren Glauben an Gott? Wer ist Gott und was tut er für uns? Auf dem Berg Sinai sagt Gott zu Mose, dem Anführer der Israeliten: Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue. Jahwe, der Gott Israels, hat vier Eigenschaften. Die erste: Er ist barmherzig. Wenn Menschen Fehler machen, dann er verzeiht er ihnen das. Er ist kein Richter, der gnadenlos bestraft. Er ist eher wie ein Vater. Er liebt seine Kinder. Er will nur das Beste für sie. Er verzeiht ihnen. So sagt es später Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater. Es folgt die zweite Eigenschaft: Gott ist gnädig. Er gibt seinen Kindern, was sie brauchen, auch wenn sie es nicht verdient haben. So sind sie halt, die Väter und die Mütter. Später werden Theologen diesen Gedanken aufgreifen und entfalten: Paulus, Augustinus, Martin Luther. Die ewige Seligkeit können wir uns nicht verdienen. Alles, was wir Gutes tun, gute Werke, sie reichen dafür nicht aus. Den Himmel bekommen wir geschenkt, von Gott, wenn wir an seinen Sohn Jesus Christus glauben. Erlösung ist Gnade. Gott ist gnädig. Dabei hat er einen langen Atem, ganz viel Geduld, mit uns. Er ist langmütig. Das ist seine dritte Eigenschaft. Damit verbunden ist seine vierte Eigenschaft: Er ist reich an Huld und Treue. Das hebräische Wort, das hier mit Huld übersetzt wird, meint die Bundestreue Gottes. Er hat mit seinem Volk einen Bund geschlossen, einen Vertrag, und er steht dazu. Er kündigt diesen Vertrag niemals. Gott ist treu, egal, was wir tun. Wir kommen zur 3. Frage: Was sollen wir tun? Wir sind Kinder Gottes, ihm ähnlich. Kinder kommen nach ihren Eltern. Können wir tun, was er tut, für die Menschen, die uns anvertraut sind? Verzeihen, schenken, geduldig sein und treu? Wir schließen mit der vierten Frage: Was dürfen wir hoffen? Was wird sein, ganz am Ende? Da werden wir nicht mehr ahnen, dass es Gott gibt. Da werden wir nicht mehr entscheiden müssen, dass wir an ihn glauben. Wir werden ihn einfach sehen, so wie er ist, barmherzig, gnädig, langmütig und treu, Gott, der Herr, Jahwe, ich bin da für euch.

 

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 

Bildnachweise:

    • Mose erhält die zehn Gebote am Berg Sinai - KI-generiert