Am 04. Juni 2026
Im Gottesdienst hören wir Texte aus der Bibel, die Lesung, das Evangelium. So erfahren wir viel über das Leben und den Glauben der frühen Christen. Fast gleichzeitig mit den biblischen Schriften sind andere Texte entstanden. Sie wurden nicht in die Bibel aufgenommen. Hinter diesen Texten stehen bedeutende Personen, Väter und Mütter unseres Glaubens, unserer Kirche. Einer von ihnen ist der heilige Ignatius von Antiochien.
Er war Bischof von Antiochien in Syrien. Antiochien war damals ein bedeutender Bischofssitz. In Antiochien wurden die Jünger zum ersten Mal Christen genannt (vgl. Apg 11, 26). Die alte Kirche kennt fünf Städte, deren Bischöfe den Titel Patriarch tragen: Jerusalem, Antiochien, Alexandrien in Ägypten, Konstantinopel und Rom. Ignatius von Antiochien stirbt als Märtyrer in Rom um das Jahr 110. Auf der Reise dorthin, als Gefangener, schreibt er sieben Briefe, an Gemeinden in Kleinasien, der heutigen Türkei, an die Gemeinde in Rom und an Bischof Polykarp von Smyrna. Worum geht es in diesen Briefen? Ein großes Anliegen ist Ignatius die Einheit der Kirche, vor allem die Einheit der Kirche vor Ort, die Einheit der Gemeinde. Er nimmt dabei Gedanken aus dem Epheserbrief des Apostels Paulus auf. Die Einheit der Gemeinde wird durch die Leitung der Gemeinde hergestellt. Die große Stadtgemeinde wird von einem Episkopos, einem Bischof, geleitet, nicht von vielen Bischöfen. Der eine Bischof steht für den einen Christus. Unterstützt wird der Bischof von einem Kreis von Presbytern, Ältesten, Priestern. Unterstützt wird der Bischof von den Diakonen. Das ist ein erster Hinweis auf die drei Stufen des Amtes in der Kirche: Bischof, Priester, Diakon. So kennen wir das bis heute. Ignatius spricht von den Sakramenten, von der Taufe, von der Eucharistie. In der Eucharistie begehen wir das Gedächtnis von Jesus Christus. Das feiern wir heute, an Fronleichnam, besonders. Geleitet wird die Eucharistie vom Bischof. Ignatius spricht vom Bußsakrament - es wird von den Presbytern gespendet - und von der Ehe. Bei Ignatius wird die Kirche zum ersten Mal katholische Kirche genannt. Katholisch bedeutet: allgemein, weltumspannend. Die Kirche trägt ihre Botschaft in die ganze Welt, zu allen Menschen. Alle Bereiche des Lebens werden vom Evangelium umfasst und gedeutet. Katholisch als Abgrenzung von evangelisch im konfessionellen Sinn ist hier noch nicht gemeint. Das kommt erst 1400 Jahre später, in der Zeit der Reformation, als sich die Kirche spaltet, in zwei Konfessionen. Noch ein letzter Gedanke. Damals in der Antike gibt es eine weltanschauliche Bewegung, die Gnosis. Die sagt: Der Mensch und die ganze Welt bestehen aus zwei getrennten Prinzipien, Materie und Geist, Leib und Seele. Die Seele, der Geist, ist gut und wertvoll. Der Leib, die Materie, ist wertlos, böse, verdorben. Nur wenn wir das erkennen, werden wir erlöst. Jesus Christus ist wesentlich Geist. Dass er einen menschlichen Leib hat, ist nicht von Bedeutung. Dagegen betont Ignatius: In Jesus Christus wird das Wort Gottes wirklich ein Mensch, ein echter Mensch, aus Fleisch und Blut. Dadurch wird der ganze Mensch erlöst, mit Leib und Seele. Leib und Seele, miteinander verbunden, sind gut und wertvoll. Die Kirche ist eine. Sie wird von einem Bischof geleitet, unterstützt durch Priester und Diakone. Die Kirche ist katholisch, allgemein, weltumspannend. Sie trägt ihre Botschaft zu allen Menschen. Alle Bereiche des Lebens werden vom Evangelium umfasst und gedeutet. Der ganze Mensch, mit Leib und Seele, ist gut und wertvoll, weil er von Gott so erschaffen wurde, weil er von Christus erlöst wurde. Das sagt uns der heilige Bischof, Kirchenvater und Märtyrer Ignatius von Antiochien, in seinen sieben Briefen.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
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- Bischof Dr. Klaus Krämer - WIKIMEDIA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0
- Martyrium des Kirchenvater Ignatius von Antiochia - WIKIMEDIA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0
- Diakon Markus Lubert - FOTO: Wolfgang Feilen © 2022
- Pfarrer Dr. Bernhard Lackner - FOTO: Wolfgang Feilen © 2022

