Am 07. Juni 2026

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Bert Brecht wurde einmal gefragt: Was ist ihr Lieblingsbuch? Seine Antwort: Sie werden lachen, die Bibel. Bert Brecht, Kommunist, sozialkritischer Autor, Mutter Courage, Die Dreigroschenoper, erst kommt das Fressen, dann die Moral, sein Lieblingsbuch ist die Bibel, erstaunlich. Allerdings hat er sicher noch viele andere Bücher gelesen und geschätzt. Das war auch so bei den frühen Christen. Die Bibel war ihr Lieblingsbuch, aber es gab noch andere wichtige Bücher, Schriften, weit verbreitet und geschätzt. Eine dieser Schriften war der 1. Clemensbrief.

Geschrieben wurde er der Überlieferung nach von Papst Clemens in Rom am Ende des 1. Jahrhunderts. Geschrieben wurde er tatsächlich von der christlichen Gemeinde in Rom. In diesem Brief erfahren wir viel über die frühen Christen, wie sie gelebt haben, was und wie sie geglaubt haben, wie es ihnen ging. Sie wurden verfolgt, von Kaiser Nero im Jahr 67, von Kaiser Domitian in den Jahren 96 bis 98. Der Clemensbrief geht an die christliche Gemeinde in Korinth. Dort gibt es Ärger. Die Gemeinde ist gespalten. Es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Jüngere Gemeindemitglieder streiten mit der Gemeindeleitung, mit den Ältesten. Die Jungen gegen die Alten. Zum Glück gibt es so etwas bei uns in Böfingen und Jungingen nicht – mehr. Papst Clemens ermahnt die Streithähne. Er ruft sie zur Ordnung, zum Frieden. Clemens orientiert sich an der Bibel und an der griechischen Philosophie, wie sie damals in Rom gelehrt wurde. Vor allem die Tugenden sind ihm wichtig. Clemens orientiert sich am Apostel Paulus, an seinem Brief an die Römer. Er fragt: Was können wir tun, damit wir in den Himmel kommen. Die Antwort: Die ewige Seligkeit können wir uns nicht verdienen, durch viele gute Werke. Die ewige Seligkeit gewinnen wir, wenn wir an Jesus Christus glauben. Er hat schon alles getan, was zu tun ist, für uns. Wir sind gerechtfertigt durch den Glauben und durch die Gnade. Der Himmel ist ein Geschenk. Trotzdem sind gute Werke notwendig. Wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen. Clemens spricht über die Ordnung der Kirche. Die kirchliche Ordnung ahmt die Ordnung nach, die Gott gestiftet hat, als er die Welt erschaffen hat. Clemens vergleicht die Kirche mit der Gottesdienstordnung im Alten Testament. Es gibt den Bischof, den Episkopos, wie im Alten Testament den Hohepriester. Es gibt die Ältesten, die Presbyter, wie im Alten Testament die Priester. Es gibt die Diakone, wie im Alten Testament die Leviten, und es gibt das Volk, die Laien. Hier wird zum ersten Mal das Wort Laie für die Gläubigen verwendet. Das Wort Laie kommt vom griechischen Wort Laos, Volk, Gottesvolk. Der Laie ist Teil des Gottesvolkes. Laie ist ein Ehrentitel. Das Wort ist hier keineswegs abwertend gemeint, im Sinne von: Nicht-Kleriker, Nicht-Fachmann, Dilettant. Laie bedeutet: Ich gehöre dazu. Das Volk Gottes, die Christen, sind von Christus berufen. Die Gemeinschaft der Christen ist Kirche, Ekklesia. In der griechischen Polis ist die Ekklesia die Versammlung der freien Bürger. Die Gemeinschaft der Christen ist Paroikia, Parochia, Pfarrei. Die Paroikoi sind wörtlich übersetzt: die in der Fremde Lebenden. Wir Christen sind in dieser Welt oft wie Fremde, anders als die Anderen, neue Schöpfung, Kontrastgesellschaft. Wir versuchen, in der Welt und für die Welt positiv zu wirken. Wie geht das? Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Was lernen wir von Papst Clemens und seinem Brief an die Gemeinde in Korinth? Wir sind Kirche, Ekklesia. Wir haben einen Platz in der Versammlung der freien Bürger und Bürgerinnen. Wir sind Pfarrei, Parochia, Paroikia, in dieser Welt bisweilen wie Fremde, anders als die Anderen, und wir alle sind Laien. Das ist ein Ehrentitel, denn wir gehören dazu, zum Laos, zum Volk Gottes.

 

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 

Bildnachweise:

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    • Christenversammlung im 1. Jhd - KI-generiert