Jahresrückblick 2019 für Böfingen

Nehmt Neuland unter den Pflug. So lautete unser Jahresthema vom 1. Advent 2018 bis zum Christkönigssonntag diesen Jahres. Es stand über der letzten Phase des Projektes Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten. Beendet haben wir dieses Projekt an unserem Patrozinium im Mai. In den 2 Jahren des Projektes haben wir Neues begonnen und wollen dies weiterführen. Dabei wollen wir aber nicht vergessen, was uns wichtig ist, was unverzichtbar. Unsere Kirche wollen wir weiterhin erfahren, als Ort der Gemeinschaft, miteinander und mit Gott.

Neuland unter den Pflug genommen haben wir in der Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion und der Jugendlichen auf die Firmung. Aber was ist zwischen Erstkommunion und Firmung? Es gibt unsere Ministranten und die KJG, und sonst? Nichts! Daher bieten wir für die Klassen 3 – 5 nunmehr etwas Neues an. Mit Matthäus Maus können die Kinder das Kirchenjahr entdecken. Hierbei wollen wir den Kindern eine Hinführung zum Advent und zu Weihnachten sowie zur Fasten- und Osterzeit bieten. So, wie mir Frau Mermi, die den Kurs begleitet, mitteilte wird dieser sehr gerne und von mehreren Kindern angenommen. Ein herzliches Dankeschön an Frau Mermi.

Neuland unter den Pflug genommen haben wir mit unserem Christkindlesmarkt. Seit dem 26. Markt im Dezember 2018 ist unsere evangelische Partnergemeinde mit von der Partie. Hiermit setzen wir in Böfingen ein deutliches Zeichen der Ökumene.

Der neu gegründete Singkreis Böfingen – Jungingen gestaltete dann zum 1.mal den Gottesdienst an unserem Patrozinium. Es wurde die Missa in F von Klaus Wallrath als Ulmer Erstaufführung gesungen. Dies gelang allerdings nur mit Verstärkung von außen. Nach dem Tag der Musik im Juli in Jungingen mussten wir feststellen, dass weder Singkreis noch Living Voices alleine singfähig sind. Also haben wir uns entschlossen wieder Neuland zu betreten und beide Chöre zusammengelegt. Der neue Chor heißt nun Choreluja und hat im November schon in beiden Gemeinden einen Gottesdienst musikalisch gestaltet. Dies gelang allerdings nur durch den Unermüdlichen Einsatz unserer Chorleiterin Frau Oswald.

Neuland betreten haben wir auch in der ökumenischen Woche im Januar. Zusammen mit Frau Romer, der Seelsorgerin für Menschen mit Behinderung, Pfarrerin Stefanie Ginsbach von der Auferstehungsgemeinde und der Friedrich-von-Bodelschwinghschule beleuchteten wir das Thema Inklusion und stellten sie unter das Thema „unbehindert Kirche erleben“. Dabei konnten wir allerdings auch erfahren, dass Inklusion oft an ihre Grenzen stößt und nicht alles, was wünschenswert wäre auch durchführbar ist.

Neuland unter den Pflug genommen haben in unserer Gemeinde auch 2 Personen:

Markus Lubert bereitet sich seit diesem Jahr auf das Amt des Diakons vor und hat die dreieinhalb Jahre dauernde pastoralpraktische Ausbildung in St. Georg begonnen. Wir wünschen ihm auf seinem Weg von Herzen Gottes Segen.

Seit September ist die lange währende Zeit der Vakanz der Stelle der Gemeindereferentin beendet. Wir haben jetzt sogar einen Pastoralreferenten. Niels Materne hat nach den Sommerferien seinen Dienst bei uns angetreten. Wir freuen uns, dass unser Pastoralteam mit ihm jetzt endlich wieder komplett ist.

Nicht nur von Gutem ist dieses Jahr zu berichten. In unsere beiden Kindertagestätten wurde eingebrochen. In Don Bosco sogar 3 mal. Die Sommerferien waren anscheinend für den ein oder anderen zu lange, sodass es ihnen langweilig wurde. Die Langeweile hat wohl zu manchem Blödsinn verleitet, den unsere Gemeinde mehrere tausend Euro gekostet hat. So wurde dem Guten Hirten zunächst der Stab an der Krümme abgesägt, dann wurde er sogar gestohlen. Wahrscheinlich hat der Dieb Gewissensbisse bekommen, denn ein paar Tage später war der Stab wieder da. Auf dem Dach der Sakristei wurde eine Lichtkuppel mutwillig zerstört und ebenso wie auf dem Dach des Büros von Frau Romer die Blitzschutzanlage beschädigt. Die Reparaturkosten hierfür mussten wir aufbringen.

Nehmt Neuland unter den Pflug. Das ist nicht nur in unserer Seelsorgeeinheit und in unserer Gemeinde immer wieder nötig, da sich ja doch im Laufe der Jahre vieles ändert. Neuland unter den Pflug zu nehmen ist auch in unserer Kirche in Deutschland und weltweit notwendig.

Unsere Kirche muss Neues wagen, notwendige Reformen anpacken. Hoffen wir, dass auf dem nunmehr begonnenen synodalen Weg endlich einige Dinge angepackt werden können. Die Lateinamerikasynode hat ja da schon den ein oder anderen Markstein gesetzt. Es muss etwas geschehen bei der Zulassung zu den Weiheämtern. Frauen sollten in unserer Kirche Gleichberechtigung erfahren; Männer und Frauen sollten selbst entscheiden können, wie sie in unserer Kirche Ämter ausüben: verheiratet oder unverheiratet. Die Kirche muss anerkennen, dass Erwachsene Menschen über ihr Leben und ihr Zusammen-leben, ihre Liebe selbst befinden, wenn sie füreinander Verantwortung übernehmen.

In der Aufarbeitung des Missbrauchs ist schon einiges geschehen, allerdings ist hier an vielen Stellen noch Luft nach oben. Mit der Aufhebung des päpstlichen Geheimnisses hat Papst Franziskus auf jeden Fall ein deutliches Signal gesetzt. Kriminelle, die sich an Kindern vergehen, müssen bestraft werden, auch wenn sie hohe Ämter in der Kirche innehaben.

Nehmt Neuland unter den Pflug, dass war unser Jahresthema im abgelaufenen Kirchenjahr.

Neuland unter den Pflug genommen haben wir an verschiedenen Stellen. Wir dürfen aber nicht aufhören, weiterhin Neues zu wagen.

Das wollen wir auch mit dem Jahresthema für das neue Kirchenjahr ausdrücken. Es lautet:

Lasst frischen Wind rein! Es geht zurück auf Papst Johannes XXIII. Zur Eröffnung des von ihm einberufenen 2. Vatikanischen Konzils sagte er: Öffnet die Fenster der Kirche weit, damit frischer Wind wehen kann! Frischer Wind: in der Sprache des Glaubens ist dies der Heilige Geist. Er weht, wo und wie er will.

Lasst frischen Wind rein! Wenn im März die neuen Kirchengemeinderäte gewählt werden haben wir hoffentlich genügend Kandidaten. In unserer Diözese hat der Kirchengemeinderat eine wichtige Bedeutung. Alles, was für eine Gemeinde wichtig ist, muss im KGR beraten und beschlossen werden. Hierbei hat auch der Pfarrer nur eine Stimme. Das ist gelebte Demokratie in der Kirche, und nur in unserer Diözese so. Viele beneiden uns darum, denn anderswo bestimmt allein der Pfarrer. Die Pfarrgemeinderäte dürfen ihn dabei beraten, aber wirklich zu sagen haben sie nichts.

Das alte Jahr geht nun zu Ende und wir erwarten das Neue. Wir wollen die Fenster weit öffnen, damit der Heilige Geist wirken kann. Lasst frischen Wind rein!

Wolfgang Feilen, 2. Vorsitzender des KGR Böfingen