Predigt im ökumenischen Gottesdienst am 5. Sonntag

am 07. Februar 2021

EVANGELIUM: Mt. 13, 3-9

Liebe Gemeinde, wer Ohren hat zu hören, der höre! Bleibt die Frage was wir in diesem Gleichnis hören sollen? Lukas scheint es uns ja leicht zu machen. Bibelkundige wissen, dass er uns ein paar Zeilen weiter eine Auslegung, eine Sicht auf das Gleichnis anbietet. Da ist die Rede von der Saat als dem Wort Gottes, das auf verschiedene Böden fällt. Mit den Böden sind die Menschen gemeint, die das Wort hören. Und das gute Land sind schließlich diejenigen, die das Wort behalten und Frucht bringen.

Der Weg sind die Zweifler, wo über Nacht der Durcheinanderwürfler (= der Teufel) die Saat aus dem Herzen nimmt. Die auf dem Felsen sind die, die schnell begeistert sind aber nicht durchhalten. Und der Same unter den Dornen verliert gegen die Sorgen des Alltags um das Hab und Gut. Ist es dies, was wir hören sollen? Oder hören können? Denn mit dem Hören ist es ja so eine Sache. Worte entwickeln verschiedene Wirkungen. Man hört nicht immer, was gesagt ist; und man hat auch nicht immer gesagt, was gehört werden sollte. Mein Vater hat dem vorgebeugt indem er immer wieder betont hat: Immer das, was ich meine, gilt! Man hört oft nur, was man hören will. Schauen wir, was wir (auch noch) hören können. Zunächst einmal: Es wird gesät. Wo gesät wird, soll etwas wachsen. Das ist der Sinn des Säens. Und dann kommt das Wunder, dass die Saat aufgeht und wächst. Denn die Saat bringt ja ein Mehrfaches an Ertrag. Es ist eine Vermehrung des Gesäten. Wieviel Kraft und Potential steckt in so einem Samen-korn!? Zur Zeit Jesus lag der Erfahrungswert Aufwand Saat und Ertrag der Ernte beim vier bis achtfachen. Im Mittelalter in Deutschland nicht wesentlich höher. Im fruchtbaren Zweistromland lag der Ertrag weit höher. „Heutzutage erzielt Weizen im weltweiten Durchschnitt den ca. 15fachen Ertrag, in Deutschland den knapp 40fachen und in besonders begüns-tigten Anbauregionen den 60fachen Ertrag.“ Die Saat wird ausgesät, damit etwas wächst, damit etwas daraus wird, damit sie sich vermehrt. Wo gesät wird, soll was wachsen. Oder anders gesehen: (Erst) Wo gesät wird kann was wachsen. Es ist nicht einfach ein Hobby zum Zeitvertreib. Es soll etwas werden. Säen ist eine Wette auf die Zukunft. Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück ist nicht geschickt für das Reich Gottes! Es geht um das, was kommen wird. Es geht um das, was möglich sein kann. Irritierend aber ist für uns ergebnis- oder ertragsorientierte Menschen des 21. Jahrhunderts die Metho-de des Sämanns. Sie (die Methode) deckt sich nicht mit dem, was wir tun würden, und schon gar nicht mit den heutigen Methoden in der Landwirtschaft. Obwohl es beim Säen auf der einen Seite um den Ertrag geht, küm-mert das den Sämann auf der anderen Seite scheinbar wenig. Heute sät man, um Saatgut zu sparen, aber auch um einen gleichmäßigen Reifeprozess zu erzielen, nur dort, wo optimales Wachstum erwar-tet wird. Moderne Sämaschinen sparen zum Beispiel die Spur des Treckers aus, weil die Saat auf die-ser verdichteten Spur, wenn überhaupt, verspätet aufgehen würde. Das wiederum ergibt dann bei der Ernte eine minderwertigere Qualität. Und diese würde den finanziellen Ertrag schmälern. Wir würden dem Sämann raten die Saat nur auf den Flächen oder Böden auszusäen, wo das Aufgehen und Wachsen der Saat garantiert wäre. Das spart Mühe und Arbeit. Das spart Ressourcen. Und es be-wahrt vor Enttäuschungen. Aussaat mit Wachstumsgarantie. Aber so arbeitet diese Sämann nicht. Da wird überfließend gesät und es ist dem Sämann um das Saatgut nicht zu schade. Wo wir mit unse-rem Saatgut, mit unseren Ressourcen geizen, da geht dieser Sämann überfließend damit um. Für ihn scheint das keine Verschwendung zu sein dieses Risiko einzugehen. Das Tuns des Sämanns im Gleichnis entzieht sich jeglicher, uns so nahen Kosten-/Nutzen Rechnung. Unser Tun (Es) muss was bringen. Es muss etwas dabei raus kommen. Auch und manchmal gerade bei dem, was wir im zwischenmenschlichen Bereich investieren. Und obwohl das Gleichnis selbst, und die Auslegung ein paar Zeilen weiter ohnehin auf den Ertrag abheben, und das ja auch in der Natur dem Sinn der Aussaat entspricht, entzieht sich das Tun des Sä-manns eben dieser Kosten- / Nutzen Kalkulation. Beim Säen hat dieser Sämann nicht den Ertrag um jeden Preis im Sinn. Nicht der gewiss zu erwarten-de Ertrag, nicht das gute Ergebnis scheint der Beweggrund seines Tuns. Er fragt nicht, ob dabei das optimale heraus kommt. Die Effizienz hat er nicht im Blick. Anders gesagt: Der Sämann lässt sich die Aussaat etwas kosten. Er wettet mit einem hohen Einsatz und großem Risiko auf die Zukunft. Er gibt allem eine Chance. Er sieht nicht nur das große Ganze. Er sieht auch die Teilerfolge. Die kurze Zeit, in der die Hoffnung aufgekeimt ist. Den überschaubaren Zeitraum, der sorgenlos war. Ist er blauäugig, oder sieht er weiter? Dieser Sämann korrigiert unser Denken. Es geht mit unseren Erwartungen was Erfolg und Ergebnis betrifft ins Gericht. Er sät scheinbar auf gut Glück. Er sät auf Vertrauen. Er sät auf Hoffnung. Auf jeden Fall ohne Berech-nung und ohne Kosten-/ Nutzen Rechnung. Und das Gleichnis äußert keine Kritik. Auch die Ausle-gung nicht. Offen ist im Gleichnis, worin die Saat besteht. In der nachgeschobenen Auslegung ist es das Wort Gottes, das gehört finden will. Im Orient wurde das Bild oft für den Bereich der Erziehung benutzt, was vorangeborene den Nachgeborenen, was Eltern und Lehrer ihren Kindern weitergeben. In beiden Fällen aber geht es darum Gutes weiter zu geben, das Frucht bringen kann. So sind wir beides. Der Boden, auf den die Frucht fällt. Und wir sind selbst das ganze vierfache Ackerfeld und nicht nur ein Teil davon. Begeisterung für eine Sache und Teilnahmslosigkeit, Sorgen-fülle und Segen wechseln sich ab. Es fällt bei uns vieles auf guten Grund und anderes auch nicht. Aber wir sind auch Säleute, die Gutes weitergeben sollen und hoffentlich wollen. Jesus erzählt das Gleichnis einer großen Menge, die beieinander war. Darunter aber ausdrücklich zuvor erwähnt, die Zwölf (Jünger) und einige Frauen, also die Menschen, die seine Schülerinnen und Schüler waren. Sie waren sowohl Hörende als auch die, die seine Botschaft in Wort und Tat weitergeben sollten. Und damit dürfen und sollen wir überschwänglich umgehen. Um die Liebe ist es nie zu schade. AMEN

Pfarrer Hans-Jörg Mack