Predigt am 4. Sonntag der Osterzeit

Am 25.04.2021

EVANGELIUM: Lk 11,1–4

predigt4 sw

Vater unser im Himmel. So beten wir. Jesus selbst hat seine Jünger das Vaterunser gelehrt. Da sind sich die Historiker sicher. Wir dürfen zu Gott Vater sagen, so wie Jesus zu Gott Vater gesagt hat in seiner Muttersprache, dem Aramäischen: Abba. Das klingt ein bisschen wie unser Papa. Abba, so redet der erwachsene Israelit seinen Vater an. Abba, was klingt hier an? Zum ei­nen viel Nähe, Vertrautheit, eine enge Bindung, Geborgenheit. Zum anderen Achtung, Re­spekt. Der Vater ist der Ältere, der Erfahrenere. Der Sohn, die Tochter, sie verdanken ihm so viel.

Vertrautheit und Respekt, das finden wir auch in einem anderen Bild in der Bibel. Es ist das Bild vom Hirten. Der Hirte geht voran, die Herde folgt ihm nach. Auch da ist sie, die Vertraut­heit, die Nähe, die enge Bindung, und die Achtung, der Respekt. Der Hirte ist in der Bibel das Bild für den König - David. Er sorgt für sein Volk. Er geht ihm voran. Der Hirte ist in der Bibel vor allem das Bild für Gott selbst. Er sorgt für sein Volk. Er geht ihm voran. Gott ist zu uns Menschen wie ein guter Hirte. Auch wir können gute Hirten sein für die Men­schen, die uns anvertraut sind. Eltern für ihre Kinder. Lehrerinnen und Lehrer für ihre Schülerin­nen und Schüler. Ein Bürgermeister für seine Stadt. Ein Bischof und ein Pfarrer für die Gläubigen in seiner Kir­che. Eltern geben alles für ihre Kinder. Sie machen vieles richtig. Aber sie machen auch mal einen Fehler. Trotzdem sind sie gute Hirten für ihre Kinder. Trotzdem begegnen ihnen ihre Kinder mit Achtung und Respekt. Lehrer und Lehrerinnen engagieren sich. Setzen sich ein für ihre Klasse. Doch auch sie sind nur Menschen. Sie machen nicht immer alles richtig. Trotzdem sind sie gute Hirten für ihre Klasse. Trotzdem begegnen ihnen ihre Schülerinnen und Schüler mit Achtung und Respekt. Ein Bürgermeister, ein Bischof, ein Pfarrer, sie nehmen ihr Amt ernst, ihre Verantwortung. Doch auch ihnen unterlaufen Fehler, weil sie auch nur Menschen sind. Trotzdem sind sie gute Hirten. Trotzdem begegnen ihnen die Menschen mit Achtung und Respekt. Das ist der Unterschied. Wir Menschen versuchen, gute Hirten zu sein. Manchmal gelingt es uns gut, mehr oder weniger. Manchmal gelingt es uns nicht. Nur Gott gelingt es immer. Er ist der gute Hirte zu 100%. Unser Vater im Himmel.

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner