Predigt zu Christi Himmelfahrt

Am 26. Mai 2022

EVANGELIUM: DIE SEELIGPREISUNGEN

ukraine sw

Es ist Krieg in Europa, in der Ukraine, seit drei Monaten. Tausende sind gestorben. Millionen sind auf der Flucht. Häuser, Straßen und Brücken sind zerstört. Wir sehen das Leid der Menschen. Wir sind betroffen, in Sorge, verunsichert. Wie geht es weiter? Hier vorne beim Altar steht unsere Osterkerze. Gestaltet wurde sie von Karin-Maria Breidbach, Thomas Dehm und Ricarda Simon. Sie zeigt den auferstandenen Christus.

Er trägt ein Gewand in leuchtenden Farben. Die Farben sind uns bekannt. Blau und Gelb sind die Farben der Ukraine. Blau, Weiß und Rot stehen für Russland. Beide Länder sind zutiefst vom Christentum geprägt, gleichsam imprägniert vom christlichen Glauben. Viele Menschen dort sind Christen, auf beiden Seiten. Mit ihnen schauen wir auf Jesus Christus. Der sagt: „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ Jesus, der Sohn Gottes, wird von seinen Feinden verfolgt und getötet. Er stirbt am Kreuz. Alles scheint zu Ende zu sein. Doch drei Tage später erzählen seine Freunde: „Wir haben ihn gesehen, er lebt.“ 40 Tage lang erscheint er ihnen. Er spricht mit ihnen. Dann hören diese Erscheinungen auf. Die Jünger sagen: „Er ist heimgekehrt zu Gott, seinem Vater im Himmel.“ „Gott hat alles gut gemacht.“ Gott. Seine Farbe ist das Gold. Auch das Gold ist auf unserer Osterkerze zu sehen, in feinen Linien. Goldene Linien fassen die anderen Farben ein, geben ihnen den Rahmen. Noch eine Farbe entdecken wir: das Grün. Im unteren Bereich des Gewandes. Olivgrün sind die Kampfanzüge der Soldaten und das T-Shirt des ukrainischen Präsidenten. Olivgrün ist das Laub des Ölbaums. Der Olivenzweig ist das Zeichen des Friedens. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Wir feiern Christi Himmelfahrt. 40 Tage nach Ostern. 40 Jahre zieht das Volk Israel durch die Wüste. Es ist eine Zeit der Gefahr und der Not. Auf unserem Fastenhungertuch ist diese Geschichte eindrucksvoll dargestellt. Gott leitet und beschützt sein Volk. Am Ende führt er es in das Gelobte Land. 40 Tage fastet Jesus in der Wüste. Es ist eine Zeit der Entbehrung und der Versuchung. Doch Gott, der Vater im Himmel, stärkt seinen Sohn. So kann er das Reich Gottes verkünden und leben. Im Rosenkranz, ganz am Anfang, im zweiten Gegrüßet-seist-du-Maria, schauen wir auf Jesus, der in uns die Hoffnung stärke. Die Hoffnung ist neben dem Glauben und der Liebe eine der drei göttlichen Tugenden. Die Hoffnung gibt uns Kraft und Mut, einen langen Atem, gerade dann, wenn es schwierig wird. Immer wenn es schwierig wird, wenn die Menschen die Köpfe hängen lassen und ihnen der Mut schwindet, sagt ihnen ein Glaubenszeuge unserer Zeit: „Es wird einen Ausweg geben, wir dürfen nicht verzagen.“Die Hoffnung ist die zweite göttliche Tugend. Sie ist die Haltung, die uns befähigt, die Prüfungen des Lebens zu bestehen. Mit Gottes Hilfe.

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

Katholische Seelsorgeeinheit Böfingen-Jungingen, Ulm © 2016