Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis

am 13. Oktober 2019

Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis

Die kath. Kirche in Deutschland geht in den nächsten zwei Jahren einen synodalen Weg. Synodaler Weg, was ist das? Unsere Kirche ist nicht in der allerbesten Verfassung. Skandale belasten uns. Missbrauch von Macht und anderes. Gläubige sind unzufrieden mit der Art, wie die Leitung der Kirche damit umgeht. Viele wenden sich von der Kirche ab. Da muss etwas geschehen. Das sagen Kardinal Marx und die deutschen Bischöfe. Das sagen auch das Zentralkommitee der deutschen Katholiken und sein Präsident Thomas Sternberg. Sie vertreten die sogenannten Laien in der Kirche. Bischöfe und Laien haben vereinbart: Wir sprechen miteinander über unsere Kirche. Wir führen eine strukturierte Debatte. Wir gehen zusammen einen synodalen Weg. Er beginnt am ersten Advent dieses Jahres und dauert zwei Jahre.

Welche Inhalte sind geplant? Es geht um vier Themenbereiche:

  1. Wie wird die Macht in der Kirche ausgeübt? Wie kann der Missbrauch von Macht verhindert werden? Wie können Kinder, Jugendliche und andere abhängige Menschen geschützt werden?
  2. Wie sollen Priester leben? Ehelos? Sollen vermehrt auch Verheiratete die Priesterweihe empfangen?
  3. Wenn zwei Menschen einander lieben, wenn es um Ethik geht und um Moral, welche Aufgabe hat da die Kirche? Sie muss die neuesten Erkenntnisse der Humanwissenschaften und der Theologie aufnehmen und ernstnehmen.
  4. Gleiche Rechte für Frauen. Wie kann den Frauen der Zugang eröffnet werden zu Diensten und Ämtern in der Kirche?

Vier Themenbereiche – zu jedem von ihnen ist ein Gesprächsforum geplant. Jedes dieser Foren wird von einem Bischof und von einem Laien gemeinsam geleitet. Was sagt der Papst zum synodalen Weg? Er hat am 29. Juni 2019 an uns deutsche Katholiken einen Brief geschrieben. „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“. Franziskus ermutigt uns zum synodalen Weg zur Erneuerung der Kirche am Ort. Er mahnt aber auch zur Einheit in der Weltkirche. Dem Papst sind die Akzente wichtig. Daher ruft er zur Evangelisierung auf. Die frohe Botschaft von Jesus Christus muss unter die Leute gebracht werden. Der Papst begrüßt den synodalen Weg. Bestimmte Kreise im Vatikan eher nicht. Warum gibt es einen synodalen Weg, aber keine Synode, also keine formelle Kirchenversammlung, kein Konzil für Deutschland sozusagen? Von 1971 bis 1975 gab es die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie tagte in Würzburg und hatte das Ziel, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 - 1965) umzusetzen. Nach dem Kirchenrecht von 1983 (Codex iuris canonici) müsste für eine deutsche Nationalsynode ein Antrag in Rom eingereicht werden. Bis zu einer Antwort hätte es vermutlich gedauert. Außerdem können aus der Sicht des Vatikans bestimmte Themen nicht angesprochen werden, weil sie in der Weltkirche geklärt werden müssten: das Weiheamt für Frauen und der Pflichtzölibat. Deshalb also keine Synode, sondern ein synodaler Weg. Dass am Ende dieses Weges richtige und wichtige Ergebnisse stehen, das hoffen wir.

Pfr. Dr. Bernhard Lackner