Am 21. Juni 2026
Was, du gehst noch in die Kirche? Warum das denn? Warum gehörst du überhaupt noch zu diesem Verein? Warum bist du nicht schon längst ausgetreten? Das bekommen Christen gelegentlich zu hören. Sie müssen sich rechtfertigen. Sie müssen sich verteidigen. Das ist nicht neu. Das war schon so von Anfang an. Petrus, Paulus, Stefanus, sie mussten sich und ihren Glauben verteidigen. Sie taten es. Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt. Das steht im 1. Petrusbrief (3,15).
Im griechischen Text steht hier das Wort Apologia. Wörtlich übersetzt: die Verteidigung vor Gericht. Rede und Antwort stehen, Rechenschaft geben über die christliche Hoffnung, über den christlichen Glauben, das müssen Christen zu allen Zeiten. Im 2. Jahrhundert gab es Philosophen und Theologen, die genau das versuchten, den christlichen Glauben verteidigen, mit guten Argumenten, in öffentlichen Diskussionen, in Schriften. Kirchenhistoriker nennen diese Gruppe: die Apologeten. Einer von ihnen, der bedeutendste, war der heilige Justin, der Märtyrer. Bei ihm finden wir einen brillanten Gedanken, die Idee vom Wort Gottes, griechisch: Logos. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. So beginnt das Johannesevangelium. Im Anfang war das Wort, der Logos. Justin nimmt diesen Gedanken auf und entfaltet ihn. Das göttliche Wort ist ausgestreut über die ganze Welt, so wie Saatkörner ausgestreut sind über einen großen Acker. Das Wort, überall ist es zu finden, überall steckt es drin, in jedem Menschen, in jedem Geschöpf, in jeder Pflanze, sogar in der unbelebten Natur, in der gesamten Schöpfung. In einem winzigen Saatkorn ist schon die Idee für die ganze Pflanze enthalten, der Halm, die Staude, der Baum. Aus dem Korn entfaltet sie sich mehr und mehr. Genauso entfaltet sich das Wort Gottes. Überall in der Schöpfung steckt es drin, als logisches Prinzip des Lebens, als geniale Idee. Was kann das bedeuten? Vor mehr als 60 Jahren ging in Rom das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Es lehrt: Gott wirkt nicht nur in der katholischen Kirche, in katholischen Menschen. Nein, er wirkt auch in anderen Kirchen und Konfessionen. Gott wirkt nicht nur bei den Christen, sondern auch in den Gläubigen anderer Religionen, im Judentum, im Islam, im Hinduismus, im Buddhismus. Gott wirkt nicht nur in Menschen, die an ihn glauben. Nein, er ist auch am Werk in Menschen, die nicht an ihn glauben. Er wohnt im Herzen eines jeden Menschen, in seinem Gewissen. Das Gewissen ist die Stimme Gottes in jedem Menschen. Wer noch nicht zum Glauben gekommen ist, aber der Stimme seines Gewissens folgt, kann die ewige Seligkeit erlangen, sagt das Konzil. Das Wort Gottes, Logos, überall steckt es drin, logisch. Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt. Die Apologeten im 2. Jahrhundert, sie haben es versucht, leider nur mit geringem Erfolg. Sie konnten nur wenige überzeugen durch ihre brillanten Argumente. Trotzdem ist die Kirche rasant gewachsen. Warum? Christen überzeugten nicht durch kluge Reden, sondern durch ihr Tun. Sie halfen Menschen in Not, nicht nur den eigenen, sondern auch Fremden. Sie hielten zusammen. Sie trafen sich zum Essen, zum Beten, zum Gottesdienst. Das sprach sich herum. Christen überzeugen nicht durch kluge Reden, sondern durch ihr Tun. Wie lautet noch unser Jahresthema? Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Gleichzeitig gilt: Denkt weiter und vertraut auf das Evangelium.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Schlussdokument des 2. Vaticanischen Konzils - WIKIMEDIA Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0-Lizenz
- Weltkonzil aller Religionen, Zukunftsvision - KI-generiert
- Bischöfe auf dem 2. Vaticanischen Konzils - WIKIMEDIA Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0-Lizenz

