Am 04. Juli 2026
Was glauben wir? Was wir Christen heute glauben und leben, das haben wir uns zum größten Teil nicht selbst ausgedacht. Das wurde uns überliefert. Das ist Tradition. Es beginnt vor mehr als 3000 Jahren in Ägypten. Eine Schar von Zwangsarbeitern macht sich aus dem Staub. Sie fliehen. Sie werden verfolgt, von Grenztruppen. Sie entkommen, sind gerettet. Gott rettet sein Volk, am Schilfmeer. Das ist ein Wunder:
Exodus, Movement of Jah People. In der Wüste gibt Gott seinem Volk Gebote, Zehn Gebote, damit alle gut leben können. In Jerusalem regieren Könige. Im Tempel werden Lieder gesungen, Psalmen. Propheten verkünden ihre Botschaft und schreiben sie auf. Jesus von Nazareth tritt auf. Er verkündet das Reich Gottes. Er stirbt. Seine Jünger sagen: Er lebt. Wir haben ihn gesehen. Kirche entsteht und wächst rasant. Was Christen erleben und glauben, schreiben Theologen auf. Sie heißen: Paulus und Johannes, Ignatius von Antiochien, Clemens, Justin. Einer von ihnen war der heilige Ephräm der Syrer, Diakon und Kirchenlehrer. Er lebte im 4. Jahrhundert. Er schrieb Kommentare zur Bibel und er dachte sich: Das Evangelium soll die Menschen erreichen. Das geht am besten, wenn man aus dem Evangelium ein Lied macht und es gemeinsam singt. Ephräm ist der größte Dichter der Väterzeit. Sein Werk umfasst drei Millionen Textzeilen. Er hat Lieder über Maria, die Mutter des Herrn, gedichtet. Eines lautet: Niemand weiß, wie er nennen soll Deine Mutter, o Herr! Nennt er sie ‚Jungfrau‘, ihr Kind steht dagegen; Vermählte‘, keiner hat sie erkannt. Wenn aber schon deine Mutter unbegreiflich ist, wer kann dich fassen? Maria ist unbegreiflich, mehr noch ihr Sohn, Jesus Christus. Wer kann dich fassen? Wer kann dich in Worte fassen, in Melodien? Aus dem Evangelium ein Lied machen und es gemeinsam singen, damit die frohe Botschaft die Herzen der Menschen erreicht, das geht damals und heute. Herr, du bist die Hoffnung, wo Leben verdorrt, auf steinigem Grund wachse in mir. Gotteslob Nr. 707. Text und Musik dieses neuen geistlichen Liedes hat Gregor Linßen geschrieben. Heute ist er bei uns, hier in der Kirche Zum Guten Hirten in Böfingen, für einen Abend mit neuen geistlichen Liedern, für einen Abendsegen. Dafür sind wir dankbar. In unseren beiden Kirchengemeinden Zum Guten Hirten in Böfingen und St. Josef in Jungingen geben wir uns jedes Jahr ein Jahresthema. In diesem Jahr lautet es: Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Dieses Wort geht auf Dietrich Bonhoeffer zurück. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Auch hier gilt: Damit das Evangelium die Herzen der Menschen erreicht, machen wir einen Liedvers daraus und singen ihn gemeinsam: Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist, wo Liebe wirkt. Die Melodie haben wir nicht selbst gemacht. Die ist Tradition. Die Texte in dieser Form allerdings sind neu, selbst gedichtet. Fast alles, was wir Christen heute glauben und leben, haben wir uns nicht selbst ausgedacht. Das wurde uns überliefert. Fast alles, aber eben nicht alles. Ein bisschen etwas, das machen wir schon selbst. Aus dem Evangelium ein Lied machen und es gemeinsam singen, damit die frohe Botschaft die Herzen der Menschen erreicht, das geht, das macht Freude, das stärkt uns im Glauben, in der Hoffnung. Herr, du bist die Hoffnung, wo Leben verdorrt, auf steinigem Grund wachse in mir. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist, wo Liebe wirkt.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- König David, Jesus, Johann Sebastian Bach, Dietrich Bonhoeffer und Papst Franziskus musizieren gemeinsam zum Lobpreis Gottes - KI-generiert
- Gregor Linßen musiziert zum Lobpreis Gottes - WIKIMEDIA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0

