Am 02. August 2026
Vor 61 Jahren endete das letzte Konzil der Kirche, das Zweite Vatikanische, in Rom. Was hat es gebracht? Wir feiern den Gottesdienst in deutscher Sprache, nicht, wie früher, in Latein. Teilnehmende können alles verstehen und aktiv mitwirken, beten, singen, die Lesung vortragen, die Fürbitten. Neben dem Priester steht der Diakon. Diakone gab es in der frühen Kirche, dann faktisch nicht mehr. Wir glauben: Gott wirkt nicht nur in der katholischen Kirche. Er wirkt auch in anderen Kirchen und Konfessionen, in anderen Religionen, ja sogar in Menschen, die gar nicht an ihn glauben.
Er wohnt im Herzen eines jeden Menschen. Das Gewissen ist seine Stimme. Das und vieles andere hat uns das Zweite Vatikanische Konzil gebracht. Die Kirche hat sich geöffnet für die moderne Welt. Konzilien haben die Kirche geprägt, fast 2000 Jahre lang. Wie hat alles begonnen? Angefangen hat alles mit dem sogenannten Apostelkonzil. Die Apostelgeschichte erzählt davon im 15. Kapitel. Die Versammlung findet in Jerusalem statt. Dabei sind die Apostel und die Ältesten. Worum geht es? In Antiochien in Syrien gibt es ein Problem, Ärger, Streit. Dort sagen manche: Wenn Heiden Christen werden wollen, dann müssen sie erst Juden werden, Israeliten. Sie müssen sich beschneiden lassen. Sie müssen das ganze jüdische Gesetz halten, auch die Speisevorschriften. Die sind kompliziert. Das Konzil der Apostel befasst sich mit der Sache. Wie? Es sind vier Schritte: 1. Petrus beruhigt die Teilnehmenden. 2. Paulus und Barnabas erzählen, was sie erlebt haben, auf ihren Missionsreisen: Gott hat auch den Heiden den Glauben an Jesus Christus geschenkt. 3. Jakobus schlägt einen Kompromiss vor: Die Heiden, die Christen werden wollen, müssen nicht das ganze jüdische Gesetz halten. Nur drei Dinge sollen sie beachten: Sie sollen Unzucht meiden, kein Götzenopferfleisch essen und nichts, was aus Blut oder Ersticktem hergestellt ist. 4. Das Konzil beschließt: Wir übernehmen diesen Kompromiss. Dieser Beschluss wird aufgeschrieben und als Brief nach Antiochien geschickt. Dieses synodale Vorgehen ist vorbildlich, nicht nur für kirchliche Versammlungen. Vier Schritte: 1. Die Gemüter beruhigen. 2. Erfahrenes erzählen und zuhören. 3. Einen Kompromiss vorschlagen. 4. Den Kompromiss beschließen, aufschreiben, veröffentlichen, umsetzen. Faktisch am wichtigsten ist der allerletzte Schritt, das Beschlossene tun, umsetzen, in der Praxis. Im Lauf der Kirchengeschichte haben Konzilien Bedeutsames beschlossen, was aber nie umgesetzt wurde. Das Konzil von Konstanz, 1414 bis 1418, es lehrt: Das Konzil steht über dem Papst. Er ist dem Konzil zum Gehorsam verpflichtet. Nach dem Konstanzer Konzil müssen regelmäßig weitere Konzilien stattfinden, eines nach fünf Jahren, eines nach sieben Jahren, dann alle zehn Jahre. Beschlüsse umsetzen in der Praxis, das ist entscheidend. Nach dem Zweiten Vatikanum ist genau das passiert. Papst Paul VI. hat mit einer buchhalterischen Akribie das Konzil umgesetzt. Ein neues Messbuch wurde veröffentlicht, das Amt des Diakons wurde wieder eingeführt, das Amt des Bischofs wurde gestärkt, die Ökumene und der Dialog der Religionen wurden gefördert. Die Beschlüsse des Konzils wurden nicht in den Archiven des Vatikans begraben. Sie prägen unsere Kirche und unsere Gesellschaft bis heute. Auf das Zweite Vatikanische Konzil folgte in Deutschland die Synode in Würzburg 1975 bis 1976, in unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart die Diözesansynode 1985 bis 1986. Auch sie prägen unser Leben bis heute. Ein Beispiel sind die Wortgottesfeiern am Sonntag. Die Kirchengemeinde versammelt sich zum Gottesdienst, auch wenn keine Messe gefeiert werden kann. Synodale Praxis tut uns gut: Gemüter beruhigen, Erfahrenes erzählen, einen Kompromiss vorschlagen, den Kompromiss beschließen, aufschreiben, veröffentlichen und – umsetzen.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Apostelkonzil in Jerusalem, - KI-generiert
- 2. Vatikanisches Konzil in Rom - KI-generiert

