Am 16. August 2026

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Konzilien und Synoden prägen unsere Kirche und damit auch unser Leben. Behandelt haben wir schon das bisher letzte Konzil, das Zweite Vatikanische, vor gut 60 Jahren, und das erste, das sogenannte Apostelkonzil, vor fast 2000 Jahren. Heute geht es um das bisher zweitletzte, das Erste Vatikanum, abgehalten 1869 und 1870 in Rom. Es definiert: Der Papst lehrt unfehlbar und er hat die Vollmacht, die ganze Kirche zu leiten.

Wie kam es zu diesen Beschlüssen? Vor dem Konzil war ganz Italien zu einem Königreich geworden. Davor hatte der Papst große Teile des Landes als Kirchenstaat regiert. Das war jetzt verloren. Seine politische Macht war verloren. Gleichsam als Ausgleich sollte seine geistliche Macht gestärkt werden, durch die Unfehlbarkeit und die Leitungsvollmacht für die ganze Kirche. Viele, auch Katholiken, sehen diese maximale Fülle an Macht kritisch. Der Papst ist doch auch nur ein Mensch und Menschen können irren. Was ist dazu zu sagen? Letztlich geht es um die Frage, ob die Kirche als Ganze die Wahrheit des Glaubens verlieren kann. Das kann sie nicht, weil Jesus Christus selbst die Kirche mit dem Evangelium ausgestattet und sie beauftragt hat, die frohe Botschaft zu verkünden, immer und überall. Die Kirche verliert das Evangelium und seine Wahrheit niemals. Wer aber verkündet das Evangelium, tatsächlich und zuverlässig? Das tun die Bischöfe als Nachfolger der Apostel, vor allem, wenn sie zum Konzil zusammenkommen. Das tut auch der Papst allein, als Nachfolger des Ersten unter den Aposteln, Petrus. Du bist Petrus, der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Freilich, es gibt Einschränkungen. Der Papst kann nur in Fragen des Glaubens und der Moral unfehlbar sprechen. Er kann nicht das Wetter vorhersagen und nicht die Lottozahlen. Er ist nur dann unfehlbar, wenn er ausdrücklich als oberster Lehrer der Kirche spricht, ex cathedra. Das geschieht äußerst selten. Dazu kommt noch etwas. Kaum hatte das Konzil begonnen, da brach Krieg aus, zwischen Deutschland und Frankreich. Übereilt mussten die Bischöfe abreisen, nach Hause. Das Konzil war zu Ende. Eigentlich war geplant gewesen, noch vieles zu beraten, die Bedeutung der Bischöfe gegenüber dem Papst, die Bedeutung der ganzen Kirche. Das war jetzt nicht mehr möglich. Das wurde verschoben auf das Zweite Vatikanische Konzil, gut 90 Jahre später. Der Papst lehrt unfehlbar. Er hat die Vollmacht, die ganze Kirche zu leiten. Diese Beschlüsse des Ersten Vatikanums führten nach dem Konzil in Großbritannien zu einem politischen Konflikt. Der Premierminister William Gladstone erklärte: Britische Katholiken können ab sofort nicht mehr treue Untertanen ihrer Majestät der Königin sein, denn sie sind ja dem Papst zu absolutem Gehorsam verpflichtet. Darauf antwortete der spätere Kardinal John Henry Newman. Er war einer der führenden Katholiken im Land. Er schrieb in einem offenen Brief: Katholiken sind weder dem Papst noch der Königin zu absolutem Gehorsam verpflichtet, sondern allein Gott. Er spricht zu uns im Gewissen. Nur im Gewissen erkennen wir: Die Königin hat politische Autorität. Der Papst hat geistliche Autorität. Absoluten Gehorsam bekommt nur einer: Gott. Newman spitzt seine Aussage zu in einem berühmten Bonmot. Er sagt: Wenn ich bei einem festlichen Abendessen einen Toast ausbringen müsste auf die Kirche, dann würde ich auf den Papst trinken, zuerst aber auf das Gewissen, dann erst auf den Papst. Mit dieser Aussage, mit diesem offenen Brief, war der politische Konflikt in England gelöst. Alle waren dankbar und auch ein wenig stolz, auf Newman, auf seinen brillanten Verstand, auf seine Gabe, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Inzwischen wurde Kardinal John Henry Newman heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer ernannt – vom Papst.

 

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 

Bildnachweise:

  • Queen Victoria von England, Papst Pius IX., der britische Premierminister William Gladstone und der Kardinal John Henry Newmann tanzen um den Baum der Erkenntnis - KI-generiert