Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit

Am 08. Mai 2022

GEBET: DER SCHMERZHAFTE ROSENKRANZ

ukraine sw

Leben teilen. Das ist das Leitwort des Katholikentags. In Stuttgart wird er stattfinden in gut einer Woche. Leben teilen. Das ist unser Jahresthema in unserer Seelsorgeeinheit Böfingen Jungingen, in unseren beiden Kirchengemeinden St. Josef in Jungingen und Zum Guten Hirten in Böfingen. Leben teilen. Wie geht das? Jetzt im Mai schauen wir auf Maria, die Mutter von Jesus. Sie zeigt uns, wie das geht: Leben teilen.

Maria teilt ihr Leben mit ihrem Sohn Jesus. Sie teilt ihr Leben mit uns. Es beginnt: Gott fragt Maria, ob sie seinen Sohn Jesus zur Welt bringen will. Sie sagt ja. „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Lateinisch: „Fiat mihi secundum verbum tuum.“ Als Schwangere geht Maria einen beschwerlichen Weg über die Berge zu ihrer Verwandten Elisabeth, die ebenfalls ein Kind erwartet. Beide Frauen teilen die Freude. Sie freuen sich über ihre Kinder, die bald geboren werden, Johannes und Jesus. Maria bringt Jesus zur Welt, weit weg von Zuhause, unterwegs, auf Reisen, in Betlehem, unter schwierigsten äußeren Bedingungen. Kein Platz in der Herberge. Das Neugeborene wird in eine Futterkrippe gelegt. 40 Tage später. Maria trägt ihr Kind nach Jerusalem in den Tempel, um es Gott zu weihen. So will es das Gesetz. Jahre später. Maria findet den zwölfjährigen Jesus im Tempel wieder, nach drei Tagen. So lange war er verschwunden. Einfach abgehauen, ohne den Eltern etwas zu sagen. Was für eine Sorge! „Kind, wie konntest du uns das antun?“ „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Was für eine Antwort! Maria begleitet ihren erwachsenen Sohn bei der Hochzeit in Kana. Der Wein geht aus. Wer kann helfen? Maria weiß es. Sie sagt zu den Dienern: „Was er – Jesus – euch sagt, das tut!“ Maria steht unter dem Kreuz zusammen mit dem Jünger, den Jesus liebt. Jesus sagt zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn.“ Und zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter.“ Nach der Auferstehung und der Himmelfahrt von Jesus ist Maria bei den Aposteln. Zusammen beten sie. Jesus sendet ihnen den Heiligen Geist. Maria führt uns hin zu ihrem Sohn, zu Jesus. Er teilt sein Leben mit uns. Er ist unser Freund und unser Bruder. Er zeigt uns, dass seine Mutter auch unsere Mutter ist. Er sagt zu ihr: „Frau, siehe, dein Sohn.“ Und zu uns: „Siehe, deine Mutter.“ Maria teilt ihr Leben mit ihrem Sohn Jesus. Sie teilt ihr Leben mit uns. Sie führt uns hin zu ihm. Wie kann das gehen? Es soll Menschen geben, die jeden Tag den Rosenkranz beten. Jeden Tag mit Freude. Einer von ihnen sagt: „Der Rosenkranz ist die kürzeste Leiter, um in den Himmel aufzusteigen.“ „Nach der Eucharistie ist der Rosenkranz die stärkste Waffe, um den Teufel zu besiegen.“ Und: „Maria ist die einzige Frau in meinem Leben.“ Für die meisten von uns wird dieser letzte Satz nicht zutreffen. Trotzdem dürfen wir auf Maria schauen, von ihr lernen, sie verehren, unser Leben mit ihr teilen. Das ist ja die Erfahrung, die viele Gläubige machen: Was Maria erlebt hat, was sie erlitten hat, was sie gemeistert hat mit Gottes Hilfe, das erlebe auch ich, das kann auch ich meistern, bestehen mit Gottes Hilfe. Leben teilen. Wie kann das gehen? Maria zeigt es uns. Sie teilt ihr Leben mit uns. Sie teilt ihr Leben mit ihrem Sohn Jesus. Er teilt sein Leben mit uns.

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

Katholische Seelsorgeeinheit Böfingen-Jungingen, Ulm © 2016