Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis

am 02. August 2020

Evangelium: Mt 14,13-21 

Das Evangelium, das wir gehört haben, ist gleichsam ein Mikrokosmos christlicher Existenz. Jesus hört: Johannes der Täufer ist tot. Jesus und Johannes stehen einander nahe. Jesus war vermutlich einmal Schüler des Täufers. Das sagen uns die Historiker. Jesus und Johannes sind miteinander verwandt. Das erzählt Lukas im ersten Kapitel seines Evangeliums. Jetzt ist Johannes tot, ermordet im Auftrag des Königs Herodes.

 Jesus hört davon. Er zieht sich zurück in eine einsame Gegend. Eis eremon topon. So steht es im griechischen Urtext. Eis eremon topon. Topos ist der Ort. Eremos ist die Wüste, Steppe, unbebautes Land, menschenleer, verlassen. Eremos. Davon leitet sich das Wort Eremit ab und Eremitage. Jesus wird also Eremit zumindest auf Zeit. Er will für sich allein sein. Er will jetzt keine Menschen um sich haben. Gott allein genügt ihm. So geht es auch uns, wenn jemand, der uns viel bedeutet, gestorben ist. Da wollen wir nicht viele Leute um uns haben. Wir ziehen uns zurück. Wir wollen allein sein. Gott allein genügt Doch die Geschichte im Evangelium geht weiter. Die Leute erfahren, wo Jesus ist. Sie gehen ihm nach. Er sieht sie. Er sieht ihre Not. Er hat Mitleid mit ihnen. Er heilt ihre Kranken. Es wird spät. Die Leute brauchen etwas zu essen. Jesus gibt ihnen zu essen. Doch er tut es nicht allein. Seine Jünger müssen ihm helfen. Sie teilen Brot und Fisch aus. Alle essen und werden satt. 5000 Männer und dazu viele Frauen und Kinder, obwohl nur fünf Brote und zwei Fische bereit liegen. Es ist genug da für alle. Zwölf Körbe mit Brot bleiben übrig. Auch das kennen wir: Sich zurückziehen an einen einsamen Ort, um allein zu sein, das geht nur für eine bestimmte Zeit. Dann kommen schon wieder die Menschen mit ihren Erwartungen, mit ihren Sorgen, mit ihrer Not. Kranke suchen Heilung. Können wir sie heilen? Wir versuchen es. Hungernde brauchen etwas zu essen, Nahrung für Leib und Seele. Können wir ihnen geben, was sie brauchen? Wir versuchen es. Hier in der Kirche feiern wir Gottesdienst. Wir hören das Wort Gottes. Wir empfangen das Brot des Lebens. Wir sind Gast am Tisch des Wortes und am Tisch des Brotes. Wir bekommen Nahrung für unsere Seele. Wir versuchen, mit möglichst vielen Menschen Wort und Brot zu teilen hier in der Kirche. Wir tun, was wir können, damit Gottesdienst gefeiert werden kann. Die Tür der Kirche steht offen. Was wir hier feiern, das geht draußen vor der Kirche weiter, im Leben, im Alltag. Auch da teilen wir das Brot. Auch da versuchen wir, Menschen in ihrer Not zu sehen und zu helfen. Jesus zieht sich zurück. Er will allein sein mit sich selbst und mit Gott. Die Leute suchen und finden ihn. Er sieht ihre Not und hilft. Jesus und seine Jünger geben den Menschen zu essen, Nahrung für Leib und Seele. Alle essen und werden satt.

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner