Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis

am 26. Juli 2020

Evangelium: Mt 13,44-52 

Vor einigen Wochen kam in Böfingen der Vater eines unserer Ministranten auf mich zu. Er sagte: Er kennt so viele Menschen, die jetzt wegen der Pandemie in Not sind. Es fehlt an Lebensmitteln. Gleichzeitig kennt er Leute, die bereit sind, Lebensmittel zu spenden und Geld. Auch hat er Freunde, die bereit sind, mit ihm zusammen eine Hilfsaktion zu starten. Jetzt braucht er nur noch einen Raum. Ob wir da helfen können? Klar, wir können. Unser Gemeindehaus ist für Veranstaltungen geschlossen. Platz in Hülle und Fülle. Wir beschließen: Wir stellen den kleinen Saal für die Aktion zur Verfügung.

Die Hilfsaktion läuft an und sie wird ein großer Erfolg. Menschen in Not bekommen, was sie brauchen. Helferinnen und Helfer sind mit Begeisterung bei der Sache. Sie spüren: Das ist etwas Besonderes, was wir hier machen können. Hier tut sich für uns eine Chance auf, die Gelegenheit, etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen, eine einmalige Gelegenheit. Das machen wir. Dafür setzen wir uns ein, weil es uns wichtig ist. Begeisterung. Eine einmalige Chance. Dafür setzen wir uns ein, weil es uns wichtig ist. Von all dem erzählt Jesus im Evangelium. Zwei Gleichnisse. Beide enthalten die gleiche Botschaft: Ein Mann entdeckt zufällig einen Schatz, vergraben in einem Acker. Er ist begeistert von seiner Entdeckung. Ihm ist es sofort klar: Das ist die Chance. Die gibt es nur einmal. Die kommt nie wieder. Er setzt alles auf eine Karte. Er verkauft, was er besitzt. Er kauft den Acker und hat gewonnen. Genauso der Kaufmann im zweiten Gleichnis: Er ist spezialisiert auf Perlen. Perlen sind seine Leidenschaft. Eines Tages findet er die wertvolle Perle, die er schon lange sucht. Das ist seine Chance, das Geschäft seines Lebens. Er verkauft, was er hat. Er kauft die Perle und gewinnt. Begeisterung. Eine einmalige Chance. Alles auf eine Karte setzen, weil es mir so wichtig ist. All das erfahren Menschen, die das entdecken, was Jesus das Reich Gottes nennt oder im Matthäusevangelium das Himmelreich. Gott meint es gut mit uns Menschen. Er will, dass alle gut leben können und er hat schon angefangen, dieses neue Leben Wirklichkeit werden zu lassen. Diese Botschaft verkündet Jesus. Für sie lebt er. Jesus selbst ist begeistert. Er selbst ist der Mann, der den Schatz im Acker gefunden hat. Er ist der Kaufmann, der die kostbare Perle erwirbt. Menschen, die ihm begegnen, machen die gleiche Erfahrung. Sie lassen sich anstecken von seiner Begeisterung, damals in seiner Zeit und heute. Begeisterung für die gute Sache, für den Schatz im Acker, für die kostbare Perle. Diese Begeisterung entdecke ich bei denen, die in unserer Kirchengemeinde mitarbeiten, bei den Ehrenamtlichen, bei den Hauptberuflichen, bei den Kirchengemeinderäten, bei den neu gewählten und bei denen, die nicht mehr für den KGR kandidiert haben und doch weiter in der Gemeinde mitarbeiten. Das ist ein Glücksfall für uns alle. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Kaufmann, der eine besonders schöne Perle fand.

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner